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Engels an Friedrich Adolph Sorge
in Hoboken

London, 29. Jan. 86

Lieber Sorge,

Ich habe endlich etwas freie Zeit und schreibe Dir daher sogleich, eh sie sonstwie in Beschlag genommen wird.

Hoffentlich wird Dein Adolph1 mit dem neuen Geschäft Glück haben. Er versteht’s ja und ist aktiv, dazu ist es ein wenig spekulatives Geschäft – die große Gefahr in Amerika wie hier –, und so sehe ich nicht ein, warum’s nicht gut gehn sollte. Also meinen besten Glückwunsch!

Das Stück von Marx wegen der englischen Übersetzung wäre mir sehr erwünscht. Ich habe endlich das ganze Ms. der englischen Übersetzung im Hause und gehe nächste Woche dran. Sowie ich weiß, wie lang’ ungefähr die Revision dauern wird, also den Termin des Druckanfangs bestimmen kann, schließe ich definitiv mit dem Verleger ab. Du hast gesehn, wie Herr Hyndman alias Broadhouse mir einen Knüppel zwischen die Beine werfen wollte (in „To-Day“). Das zwingt mich, rascher vorzugehn, damit nicht meine Stellung gegenüber dem Verleger sich verschlechtert, sonst hat’s keinen Schaden.

Eine Amerikanerin2 hat mein Buch über die arbeitende Klasse3 ins Englische übersetzt und mir auch das Ms. zur Revision geschickt – die stellenweise zeitraubend wird. Der Druck in Amerika ist gesichert, was die Person aber jetzt noch an dem alten Ding findet, ist mir unerklärlich.

Ferner steht mir noch bevor allein an Revisionen: 1. „18. Brumaire“ französisch – ca. 1/3 schon besorgt. 2. „Lohnarbeit und Kapital“ von M[arx] – italienisch. 3. „Ursprung der Familie“ – dänisch. 4. „Manifest“ und „Entwicklung des Sozialismus“ etc. dänisch, diese beiden sind schon gedruckt, aber voller Fehler. 4. „Ursprung der Familie“ französisch. 5. „Entwicklung des Sozialismus“ englisch. Plenty more looming in the distance.4 Du siehst, ich werde reiner Schulmeister, der Pensa korrigiert. Zum Glück reichen meine Sprachkenntnisse nicht weiter, denn sonst würden sie mir auch noch russischen, polnischen, schwedischen etc. Kram aufladen. Aber es ist eine Arbeit, die man doch endlich leid wird – jedenfalls werden alle diese schönen Sächelchen (von 2. bis 5. wenigstens) hinter dem III. Band „Kapital“ zurückstehn müssen, der aus dem Ms. fertig diktiert ist, aber in einigen der wichtigsten Kapitel sehr viel Arbeit der Redaktion machen wird, da vieles nur gesammelte Bausteine sind. Das ist die einzige Arbeit, auf die ich mich freue.

Die „N[ew] Y[orker] Volkszeitung“ habe ich noch nicht erhalten. „To-Day“ Sept. erfolgt womöglich noch mit dieser Post. Du hast keine Vorstellung, wie schwierig diese Sachen hier zu haben sind – die Verleger sind von einer Unordnung, die schmählich ist.

Laß Dir von Dietzgen das von H. Bland hier über Hyndmans Wahlmanöver mit den Tories und gleichzeitig mit den Liberalen5 geben, wenn Du es noch nicht kennst. Es ist buchstäblich wahr. Die Social Democratic Federation ist, wenn sie zusammenbleibt, hiernach moralisch tot. Hyndman muß verrückt sein, so zu handeln, wie er handelt. Seinen ganz wahnsinnigen Angriff gegen Aveling wirst Du nebst den Dokumenten in „Justice“ und „Commonweal“ gelesen haben. Leider taugen die übrigen Chefs der Federation nicht viel mehr als er, Literaten und politische Spekulanten. Die ganze Bewegung hier ist überhaupt bis jetzt nur Schein, aber wenn es gelingt, in der Socialist League einen Kern von Leuten zu erziehn, die die Sache theoretisch verstehn, so ist für den Ausbruch der wirklichen Massenbewegung, der nicht mehr lang’ ausbleiben kann, sehr viel gewonnen.

Grüße Dietzgen von mir. Er hat einen harten Stand, aber es wird schon gehn. After all6 macht die Bewegung in Amerika doch schöne Fortschritte. Daß die Anglo-Amerikaner die Sache in ihrer Weise anfangen, mit Verachtung von Vernunft und Wissenschaft, ist nun einmal nicht anders zu erwarten, aber sie nähern sich doch. Und schließlich werden sie auch ganz kommen. Die kapitalistische Zentralisation geht bei Euch mit Schritten von Siebenmeilenstiefeln, ganz anders als hier.

Hoffentlich bist Du mit Deiner Gesundheit wieder ganz auf dem Damm, mir geht’s meist recht gut, sonst käme ich gar nicht durch die Arbeit.

Ich bearbeite Bebel, daß er mit Liebk[necht] nach dort kommt.7 Vielleicht kommt auch Tussy und Aveling. Doch das ist noch in weitem Felde.

Mit bestem Gruß an Adolph

Dein F. Engels