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Engels an Hermann Schlüter
in Hottingen-Zürich

London, 16. Juni 1885

Werter Herr Schlüter,

1. Die beiden Assisenprozesse – der „N[euen] Rh[einischen] Ztg.“ und des demokratischen Ausschusses – von 1849 erschienen damals zusammen nach dem Bericht der Zeitung als: „Zwei politische Prozesse“. Wollen Sie einen oder beide wieder herausgeben, so wird das ganz gut wirken, und schreibe ich Ihnen ein Vorwort dazu.

2. Der „Kommunisten-Prozeß“1 könnte ebenfalls mit Vorteil wieder abgedruckt werden, einerseits bewiese er den alten Lassalleanern wieder einmal, daß auch vor dem großen Ferdinand2 schon etwas los war in Deutschland, und dann ist das damalige Verfahren der Preußen ja schon das Vorbild desjenigen, was jetzt unter dem Sozialistengesetz herrscht. Auch hierzu steht Vorrede3 zur Verfügung, sobald es zum wirklichen Druck kommt, leider erlaubt meine Zeit nicht, im voraus auf Lager zu arbeiten. Dann fehlt mir auch ein Ex. der Leipziger Ausgabe mit Marx’ nachträglichen Bemerkungen4. Es ist bezeichnend für die damalige dortige Geschäftsführung, daß weder M[arx] noch ich jemals ein Ex. davon erhalten haben! Haben Sie im Archiv: Stieber und Wermuth, „Die Kommunistenverschwörungen des 19. Jahrhunderts“? (Berlin, Hayn, 1853, 2 Teile), das sog. „schwarze Buch“. Darin stehn zwei Ansprachen der Zentralbehörde an den Bund5, die als Anhang abgedruckt werden könnten.

3. Wenn ich Sie recht verstehe, dachten Sie daran, die Artikel der „N[euen] Rh[einischen] Ztg.“ über die Pariser Junischlacht 18486 zusammenzustellen. Das wäre ganz gut, ich könnte Ihnen die betreffenden Stellen mit einigen Zwischenbemerkungen zur Herstellung des Zusammenhangs und mit dem Nötigen aus Marx’ Artikel der „Revue der N[euen] Rh[einischen] Z[eitung]“7 etc. ordnen. Als einzige gleichzeitige Darstellung der ersten Schlacht des Pariser Proletariats, die die Junikämpfer verteidigte, hat die Sache ihre Bedeutung, und das Ereignis selbst kann nicht oft genug den Massen in Erinnerung gerufen werden. Das ist aber eine Arbeit von mindestens einer Woche, und die kann ich erst im Herbst in die Hand nehmen.

4. Weitere Sachen aus der „N[euen] Rh[einischen] Z[eitung]“ könnten folgen, aber ich habe jetzt platterdings nicht die Zeit, sie auszusuchen, wollen Sie mir Vorschläge machen, so können wir ja sehn. Dasselbe gilt von andern kleineren Arbeiten von M[arx] und mir aus jener Zeit. Ich werde, sobald das Ms. des III. Bandes „Kapital“ im rohen in eine leserliche Handschrift übertragen, also im Herbst, die Papiere ordnen müssen. Dann bekomme ich erst wieder eine Übersicht über das, was überhaupt vorhanden ist, und kann Passendes aussuchen. Bis dahin aber tappe ich selbst ziemlich im dunkeln. Solange das III. Buch „Kapital“ noch nicht fertig diktiert ist, sind meine Tage von 10–5 engagiert, und abends habe ich, abgesehn von Besuchen, nicht nur eine sich immer mehr häufende Korrespondenz abzumachen, sondern auch das Diktierte durchzusehn, dazu französische, italienische, dänische und englische Übersetzungen unsrer Sachen (darunter die englische des „Kapital“) zu revidieren, und wo mir da die Zeit noch für andre Dinge herkommen soll, möchte ich wissen. Ich kann mich also – das müssen Sie einsehn – nur auf das Dringendste einlassen.

Außer der erwähnten Ausgabe des „Kommunistenprozesses“ bitte ich mir zu schicken:

3 Ex. Marx, „Lohnarbeit und Kapital“.
6 „Kommunistisches Manifest“, Züricher Ausgabe, und mir zu belasten. Ein Auszug meiner Rechnung wäre mir auch erwünscht, damit ich weiß, wie wir stehn. Von den Photographien von Marx sind in beiden Formaten noch welche hier.

Inl. bitte an Ede abzugeben.

Freundschaftlichst Ihr
F. Engels