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Engels an Nikolai Franzewitsch Danielson
in Petersburg

London, 23. April 1885

Weter Herr,
Ich erhielt Ihren freundlichen Brief vom 9. (21.) vergangenen Monats und danke Ihnen vielmals für die darin enthaltenen sehr interessanten Informationen. Daß das Gesetz, wonach die Löhne in umgekehrter Proportion zur Länge der Arbeitszeit stehen, sich auch in Rußland bewahrheitet, ist tatsächlich sehr interessant. Ebenso die rasche Auflösung des Mip1 durch den Fortschritt der modernen Industrie und Geldwirtschaft, wie das die wachsende Zahl der бесхозяйственные хозяева2 zeigt. Alle diese Tatsachen sind für mich von größter Wichtigkeit, und ich werde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie mir von Zeit zu Zeit mitteilen, was Sie über die ökonomische Lage und Entwicklung Ihres großen Landes wissen. Leider ist meine ganze Zeit augenblicklich mit der Herausgabe der Manuskripte so in Anspruch genommen, daß ich nicht nur davon unabhängige Arbeiten, sondern sogar meine Studien unterbrechen muß und kaum Zeit für Korrespondenz finde; Sie sehen also, ich kann Ihr freundliches Angebot, mir russische Originalschriften über ökonomische Fragen zuzusenden, im Augenblick nicht annehmen, da ich wirklich keine Zeit hätte, von ihnen Gebrauch zu machen. Aber ich hoffe, Sie werden es mir nicht übelnehmen, wenn ich mir bei der nächsten Gelegenheit erlauben werde, Sie an Ihr freundliches Versprechen zu erinnern. Vorläufig jedoch sind diese unschätzbaren Manuskripte für mich eine Quelle von höchstem wissenschaftlichen Genuß3, und Ihnen wird es bei den Bogen sicherlich genauso ergehen. Ich sandte Ihnen von diesen vor ungefähr 3 Wochen, 27. März, Bogen 5–9 und gestern 10–14. In Kürze werde ich noch weitere schicken, immer eingeschrieben. Der ganze Band II wird ungefähr 37 Bogen umfassen und Ende Mai herauskommen. Jetzt beschäftige ich mich mit Nr. III, der der abschließende und krönende Teil ist und Nr. I noch in den Schatten stellen wird. Ich diktiere aus dem Original, das für jeden anderen Sterblichen außer für mich absolut unleserlich ist, und werde nicht eher ruhen, bis der ganze Text abgeschrieben ist, so daß er auf alle Fälle auch für andere leserlich sein wird. Erst dann kann ich mir die Zeit für die endgültige Redaktion nehmen, was bei dem unvollendeten Zustand des Originals keine leichte Aufgabe sein wird. Wie dem auch sei, selbst wenn es mir nicht vergönnt sein sollte, das fertigzustellen, so würde das Werk auf jeden Fall vor dem gänzlichen Verlust bewahrt sein und könnte im Notfall so publiziert werden, wie es ist. Dieser III. Band ist das verblüffendste, was ich je gelesen habe, und es ist tausendmal schade, daß der Verfasser nicht mehr dazu kam, ihn auszuarbeiten, ihn selbst zu veröffentlichen und die Wirkung zu beobachten, die er unweigerlich auslösen wird. Nach einer derart klaren Darlegung sind direkte Einwände nicht mehr möglich. Die schwierigsten Fragen werden mit Leichtigkeit erklärt und entwirrt, als ob es sich um ein Kinderspiel handelte, und das ganze System erhält einen neuen und einfachen Aspekt. Ich fürchte, Nr. III wird zwei Bände werden. Außerdem habe ich noch ein altes Manuskript, welches die Geschichte der Theorie behandelt und ebenfalls noch ein gutes Stück Arbeit erfordern wird. Sie sehen also, ich habe alle Hände voll zu tun.

Ihr sehr ergebener
P. W. Rosher

Aus dem Englischen.