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Engels an Laura Lafargue
in Paris

London, 21. Febr. 1884

Meine liebe Laura,

Deine Nachrichten über den Gesundheitszustand der Kinder1 sind mehr oder weniger beruhigend – bis auf den armen Wolf2, der doch der kräftigste von allen zu sein scheint und hoffentlich das Schlimmste überstanden haben wird, wenn Du uns nächstes Mal schreibst.

Was zu tun ist, wenn Longuet irgend etwas passiert, wird dann zu überlegen sein, wenn dieser Fall eintreten sollte; ich weiß nicht, was es einbringen könnte, jetzt darüber zu „spekulieren“ – ich meine spekulieren im philosophischen Sinn –, jedenfalls weiß ich auch nicht, was wir unter den gegenwärtigen Umständen mit einem so besorgten Vater wie L[onguet] tun können, aber wenn Du Dir Gedanken darüber gemacht hast, werde ich mich sehr freuen, sie von Dir zu erfahren.

Wir haben das Packen und den Versand der Bücher usw. für Euch und Lawrow3 mit Gittens arrangiert, und da sie in den letzten zwei Tagen nicht gekommen sind, ist Nim hingegangen, um sie in Bewegung zu setzen.

Anbei das Vorwort zur „Misère“ von – Mohr selbst! Bernstein hat diesen alten Artikel wiederentdeckt, den ich sofort übersetzt habe. Ich bitte Euch, Dich und Paul, meine Übersetzung in vernünftiges Französisch zu übertragen und sie zusammen mit dem Original, das dem „Partei-Archiv“4 in Zürich gehört, zurückzuschicken. Es werden nur ein paar Worte hinzuzufügen sein. Aber was werden die Franzosen zu der ziemlich unzeremoniellen Art sagen, in der Mohr von ihnen spricht? Und ob es angebracht ist, dieses wahre und unparteiische Urteil drinnen zu lassen auf das Risiko hin, daß die Broussisten sagen: voilà le Prussien5? Auf jeden Fall würde es mir sehr widerstreben, den Artikel zu mildern, um ihn le goût parisien6 anzupassen, aber es lohnt sich, die Sache zu überlegen. Es ist nicht zu leugnen, daß das bas-empire seit 18 Jahren existiert.

Pauls bon dieu7 sowie die Einleitung zu seiner conférence sind reizend. Auch das Exposé ist für sein Publikum sehr geeignet, und sein Erfolg verwundert mich nicht. Aber dann und wann könnte er eine neue Illustration aus dem „Kapital“ bringen, außer dem alten Zitat von Liebig über das Körpermaß der Rekruten8; und nicht 1. la concurrence und 2. l’offre et la demande9 behandeln, was im Grunde wieder nur la concurrence ist. Wenn ich es mit ihm so genau nehme, dann nur, weil ich sehe, daß es ihm guttut, und er beträchtlich davon profitiert, wenn man ihm hin und wieder etwas zusetzt; seine letzten Ausführungen zeigen wirklich große Fortschritte, und wenn er nur gewissen theoretischen Punkten etwas mehr Aufmerksamkeit schenkte (meistens kleine Details), würde er ein großes Licht in Paris, der Ville Lumière10 sein.

Ich muß jetzt schließen. Nim ist zurückgekommen, und wir müssen die Bücherpakete für Rußland und Amerika fertigmachen, um sie rechtzeitig aufzugeben. Sie sagt, Gittens könne nicht vor Dienstag oder Mittwoch kommen. Sie sendet Dir einen Kuß, ich gleichfalls. Paul une bonne poignée de main11

in Zuneigung Dein
F. Engels

Aus dem Englischen: