15
Engels an Wilhelm Liebknecht
in Borsdorf bei Leipzig

London, 10.Mai 83

Lieber Liebknecht,

Wenn Du so fortfährst, mir mit Deiner Projektenmacherei und unüberlegten Agieren auf eigne Faust unnötige Schreiberei zu machen, so laß ich die Korrespondenz mit Dir sicher wieder einschlafen.

Ich hatte Dich damals einfach um Antwort gebeten: was meine rechtliche Stellung zu Wigand sei? Der Kontrakt von 1845 sehe eine 2.Auflage vor, bestimme das dafür zu zahlende Honorar. Frage:

1. bin ich daran jetzt noch gebunden?
2. wenn ja, und wenn W[igand] sich weigert, eine 2.Auflage zu den abgemachten Honorarbedingungen zu drucken, bin ich dann ohne weiteres frei?

Auf diese einfachen Fragen habe ich nie Antwort von Dir bekommen können, und da Du sie mir zu verschaffen versprochen, nenne ich das allerdings „von Dir verbummelt“.

Nie aber habe ich Dich beauftragt, selbst oder durch einen Dritten in meiner Sache zu verhandeln, und begreife nicht, wie Du dazu kommst, auf eigne Faust und ohne Dich nur zu besinnen, dergleichen jetzt in Gang zu setzen. Ich bitte mir ausdrücklich aus, daß nicht der geringste Schritt geschieht, ich würde sofort an Wigand schreiben und alles desavouieren.

Meißner schreibt heute, erwähnt der Heftausgabe1 gar nicht. Der Kontrakt gibt uns kein Recht, uns darin zu mischen. Wenn aber Dietz dem M[eißner] nachweisen kann, daß es sein eigner Vorteil ist, so tut er's wahrscheinlich doch.

Adresse von Lafargue
66 Boulevard de Port Royal, Paris
(dicht neben Ste-Pélagie, bequem zum Brummen).

Photogr[aphien] werden in Partien abgeliefert und baldmöglich an Dietz geschickt.2