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Engels an Ferdinand Domela Nieuwenhuis
in Den Haag

London, 122, Regent's Park Road
N. W., 11. April 1883

Geehrter Parteigenosse,

Sie begreifen, daß ich seit dem Tode meines alten Freundes mit Korrespondenz, Geschäftssachen, Durchsicht des literarischen Nachlasses etc. so viel zu tun hatte, daß ich nur das Allerdringlichste besorgen konnte. Heute endlich finde ich ein paar Minuten, Ihnen für Ihren sympathischen Brief und für Ihren vortrefflichen Nachruf in „Recht voor Allen“ zu danken. Dieser Nachruf war unbedingt einer der besten, die wir gesehn, das war einstimmiges Urteil hier im intimen Kreise.

Herzlichen Dank auch im Namen der hinterbliebenen Töchter und in meinem eignen der holländischen Arbeiterpartei für ihre, wenigstens geistige Beteiligung an den letzten Ehren unsres Freundes. Sie hat sich dort zusammengefroffen mit den deutschen, französischen, spanischen, russischen und amerikanischen Parteigenossen.

Sollte mich das Schicksal oder die uns leider sehr beschnittene Reiselust nach Holland führen, so werde ich es mir zur Pflicht anrechnen, Sie aufzusuchen, wie ich es mir ausbitte, daß Sie mich hier aufsuchen, falls Sie nach England kommen.

Marx hat ein dickes Manuskript für den zweiten Teil des „Kapitals“ hinterlassen, das ich erst ganz durchlesen muß (und in welcher Handschrift!), ehe ich sagen kann, wieweit es druckfähig ist und wieweit es aus späteren Heften ergänzt werden muß. Jedenfalls ist die Hauptsache da. Da ich aber noch nichts Bestimmteres sagen kann, bitte ich Sie, vorläufig hierüber nichts in die Presse zu bringen, es könnte nur zu Mißverständnissen führen. Außerdem ist M[arx]s jüngste Tochter Eleanor meine literarische Mit-Exekutorin, und kann ich ohne sie nichts tun, und Damen, wie Sie wissen, halten auf die Form.

Entschuldigen Sie, dat ik niet op hollandsch schrijf, ich habe in den letzten Jahren keine Übung mehr in Ihrer Sprache gehabt.

Aufrichtigst Ihr
F. Engels

Meine Photographie liegt bei, ich bitte um die Ihrige. Sobald wir neue von M[arx] bekommen, schicke ich Ihnen eine.