London, den 2.April 83
Mein lieber Lawrow,
Ich beeile mich, Ihnen den Empfang Ihres Briefes mit der Anweisung von fr. 124,50 zu bestätigen. Ich werde das Geld erst frühestens Mittwoch abheben können, weil ich morgen die von Marx hinterlassenen Manuskripte prüfen muß. Wenn der Auftrag ausgeführt ist, werde ich dies im „S[ozialdemokrat]“ in Zürich bekanntgeben und die Redaktion bitten, Ihnen einige Exemplare dieser Nummer zuzuschicken. Selbstverständlich wird der Name des Bürgers Krantz nicht erwähnt werden.
Ich habe das Manuskript der „Zirkulation des Kapitals“1 und des 3.Buches „Die Gestaltungen des Gesamtprozesses“2 gefunden – ungefähr 1000 Seiten in Folio. Es ist unmöglich, schon jetzt zu sagen, ob das Manuskript in seinem gegenwärtigen Zustand in Druck gehen kann. Auf alle Fälle werde ich es abschreiben müssen, denn es ist ein erster Entwurf. Morgen werde ich endlich Zeit haben, einige Stunden der Durchsicht aller Ms. zu widmen, die der Mohr uns hinterlassen hat. Es handelt sich vor allem um einen Abriß über Dialektik, den er schon immer ausführen wollte. Er hat uns aber stets den Stand seiner Arbeiten verheimlicht; er wußte, hätte man erst in Erfahrung gebracht, was er fertig hatte, so wäre er so lange gedrängt worden, bis er sein Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben hätte. Das alles unter uns, ich habe nicht das Recht, ohne Tussy, die meine literarische Mit-Exekutorin ist, etwas zu veröffentlichen.
Wir waren alle freudig überrascht von der Nachricht, daß unser tapferer Lopatin – tapfer bis zur Torheit – glücklich wieder in die Freiheit zurückgekehrt ist. Hoffentlich hat er, der die Tapferkeit bewahrt hat, die Torheit in Rußland zurückgelassen. Ich hoffe, ihn dieser Tage hier zu sehen. Grüßen Sie ihn herzlich von mir.
Freundschaftlichst Ihr
F. Engels
Aus dem Französischen.