[Ventnor] 9.Jan. 1883
Mein liebes gutes Kind,
Wie liebenswürdig von Dir, so oft und ausführlich zu schreiben; doch wünsche ich nicht, to encroach on the very little „free“ time you have to dispose of1. Deinen Brief erhielt ich nach Absendung des meinen, nach Rückkunft von meiner Wanderung ans Meer. Von Paris habe ich keine weitere Nachricht.
Heute war ich auf dem Punkt, wieder zu „fußwandern“ – despite the noise of the wind2 – als mein Doktor3 kam; ich solle zu Haus bleiben, da es sehr kalt in der Außenwelt. Er hat mich wieder examiniert. Alles beim alten, so weit, daß der Katarrh chronisch ist (daher auch die noch fortwährende Heiserkeit), aber vom „höheren“ Standpunkt ist der Zustand besser, so weit, als die bedenklichen Punkte gar nicht angegriffen sind. Sehr lästig wäre doch schon dies halbpermanente Husten, wird es aber widerlich durch die täglichen vomissements4. Dies macht Arbeiten oft unmöglich und der Doktor glaubt – er glaubt noch, and that is something5! – mich über diese Quälerei (durch ein mir soeben verschriebnes Mittelchen) weghelfen zu können. Qui vivra, verra.6
Apropos! In meinem Schlafzimmer somewhere7 oder in meinem Arbeitstisch muß in Brieftasche oder irgendeiner little box8 sich noch einige copies meines algierschen Photogramms finden. If you could find them, you might send me two photogramms. One of them I have promised to forward to Madame Williamson.9
Herr Meißner schickt mir gestern seine Rechnung für 1881, die sehr wenig abfällt, muß dann um so mehr für 1882 werden, da er mir zugleich schreibt, daß es mit den Exemplaren des „Kapitals“ rasch zur Neige geht. Er ist natürlich ungeduldig auf die Revisionsbogen10. Dazu hat der Mann seit Jahr und Tag nichts von mir gehört. Jetzt endlich wird er ausführlich Bescheid von mir erhalten.
Cowens speech quoad „Egypt“11 ist in derselben Linie der Hyndmanschen englischen Zukunftspolitik-musik. Diese seufzenden Bourgeois (und auch Cowen ist Bourgeois in dem Punkt), diese armen britischen Bourgeois seufzend mehr und mehr „responsabilities“12 im Dienst ihrer historischen Mission aufnehmen, vergebens sich dagegen sträubend – und schmunzelt nicht aber selbst Cowen vor dem zauberschönen Bildchen aller befestigten Offensivpunkte vom atlantischen bis zum indischen Meer, und dazu into the bargain13 ein „afrikanisch-britisches Reich“ vom Delta bis zum Kapland. Sehr schene! In der Tat eine schamlosere hypokritisch-christlichere „Eroberung“ als die Ägyptens – Eroberung im tiefen Frieden! Selbst der Cowen, und der ist sicher der beste unter den englischen Parlamentaires, bewundert innerlich diese „Heldentat“; „the dazzle of our military parade“14. Poor15 Cowen! Er ist echter britischer „bourgeois“(nach der Seite); er glaubt, ein prächtiges „Geschäft“, dazu sehr wohlfeil, gemacht zu haben; er sieht nicht einmal, daß der englische „old grand man“16 nur das Werkzeug von andern nicht-britischen Pfiffküssen ist, soweit die „Politik“ in dem Ereignis spielt; das „home“ interest17 aber nahm Goschen et Co. auf ihre „responsability“ kühl auf sich.
Cowen fällt sogar einen Augenblick so tief in den Aberglauben, daß der Lord Dufferin indeed an overwhelming diplomatic genius18 sei. Doch zum Teufel mit den Briten!
Kiss my grandson for me.
Farewell19
Old Nick