London, 15. Dez. 1882
Meine liebe Laura,
Percy1 kam erst gestern abend nach 7 mit dem Notwendigen, es konnte daher vor heute nichts unternommen werden; ich füge hier eine Fünf-Pfund-Note der Bank von England bei, deren Nummer ich mir aufgeschrieben habe, und nehme das Risiko auf mich, das Ganze auf einmal zu schicken.
Ohne Zweifel wirst Du jetzt über Pauls Schicksal, wenigstens gegenwärtig, unterrichtet sein. Ich zweifle nicht daran, daß er wieder frei ist, wenn nicht schon wieder in Paris. Aber ich fürchte, die bonapartistischen und anderen konservativen Richter von Montluçon werden sie zu ein paar Monaten Zurückgezogenheit verurteilen. Die Regierung will offensichtlich einige Präzedenzfälle in der Provinz schaffen, ehe sie es wagt, zu Repressalien in Paris überzugehen. Und so hat die Staatsanwaltschaft von Montluçon die Arbeit auf sich genommen, die einmal angefangen, von den Richtern zu dem gewünschten Ende gebracht werden muß, und wäre es nur, um das Ansehen der Obrigkeit zu retten. Und da der Fall zweifellos vor das police correctionnelle2 kommt, kann auch nicht der leiseste Zweifel entstehen, den es bei einem Geschworenengericht noch hätte geben können.
Der Übergang zu einem kurzen Gefängnisleben wäre an sich nicht sehr schlimm, ich denke tatsächlich, er könnte Paul eher guttun als ihm schaden. Aber sicherlich werden sie ihre Zeit in einem Augenblick absitzen müssen, wenn sie, Paul und Guesde, beide für die „Égalité" äußerst notwendig sind. Und das Blatt hatte sich in letzter Zeit sehr verbessert. Ob es die unmittelbare Einwirkung sowohl des Pariser Lebens als auch der journalistischen Tätigkeit ist, jedenfalls sind Pauls Artikel in der letzten Zeit sehr viel besser geworden, seit er den Dogmatismus eines wissenschaftlichen Orakels fallenließ und die ligne spirituelle3 ergriff. Der über die Kandidatur von Bontoux war entzückend; aber ich glaubte hier und da ein wenig eine weibliche Hand zu entdecken. Ebenso der über das behexte Ministerium4 (ich vergaß den französischen Titel), der auch Mohr besonders gefiel.5 Wenn nun Paul und G[uesde] eingesperrt sind, geht die Seele der Zeitung verloren. Deville ist nur in Intervallen witzig und amüsant, im allgemeinen ist er klar, aber schwerfällig und doktrinär; Massard ist die Kehrseite eines guten Christen, denn bei ihm ist das Fleisch willig, aber der Geist (esprit) schwach. Und ich muß nach den Informationen, die ich habe, annehmen, daß P[aul] und G[uesde] auch die beiden sind, die in einem finanziell kritischen Augenblick am meisten gebraucht werden. So ist es sehr bedauerlich, daß sie gerade in dieser Zeit durch mit Dynamit geladene Prahlerie und Konkurrenz mit der rrrrevolutionären Haltung der Anarchisten in diese schlimme Lage gebracht wurden.
Ich hoffe doch, daß Du auf diese petites misères du haut de votre troisième6 mit derselben Ruhe herabsiehst wie die quarante siècles7 auf General Bonaparte du haut de leurs pyramides8 auf die französische Armee und Bonaparte selbst.
Wie geht es Jenny? Geht es ihr besser? Ich höre in Maitland Park nicht viel über sie, tatsächlich wissen sie9 selbst nicht mehr.
Sehr herzlich Dein
F. E.
Aus dem Englischen.