10, Columbia Terrace
Great Yarmouth, Aug. 27., 82
Meine liebe Jenny,
Vielen Dank für Deinen Brief. Ich wäre auch mit einer Karte zufrieden gewesen. Ich bin froh, daß Du meinen Brief an Mohr geöffnet und den Inhalt besorgt hast.
Ich bekam einen Brief aus Lausanne1 und ein Telegramm aus Vevey mit ihrer neuen Adresse: Hôtel du Léman, wo sie anscheinend bleiben wollen. Was Mohrs Gesundheit betrifft, so war ich wirklich froh, von Dir einen nüchternen und unparteiischen Bericht zu erhalten. Laura, die ihn nur ein paar Stunden gesehen hatte, berichtete wohl übertrieben günstig, und Tussy wiederum war, als sie ihn in Argenteuil wiedersah, ziemlich enttäuscht, daß kein größerer Fortschritt erzielt worden war. Ich bin ganz Deiner Meinung, daß wir allen Grund haben, mit dem Fortschritt zufrieden zu sein, den er bei dem sehr ungünstigen Wetter, das ihn so hartnäckig verfolgte, und nach dreimaliger Pleuritis, die zweimal so ernst war, doch gemacht hat. Ich habe niemals erwartet, daß er imstande sein würde, den nächsten Winter in England zu verbringen, und sagte das, ehe er nach Algier ging, zu Helen und anderen verschwiegenen Menschen. Das ist also keine Überraschung für mich; ich bin nur enttäuscht, daß er kaum imstande sein wird, vorher für einige Wochen herüberzukommen. Immerhin bin ich froh, daß die Ärzte in diesem Punkt so einmütig sind, dadurch wird er sich leichter fügen. Etwas mehr Enghien oder Cauterets gegen den Rest seiner Bronchitis und dann eine Klimakur hoch in den Alpen oder Pyrenäen werden ihn wieder vollkommen auf die Beine bringen und arbeitsfähig machen. Aber wie Du sagst, würde das alles durch einen Rückfall zunichte gemacht werden, der jedoch jetzt, besonders bei den Erfahrungen, die er gesammelt hat, unwahrscheinlich ist.
Meine liebe Jenny, ich weiß, welch fürchterliche Beschwerden Du erdulden mußtest und auch jetzt noch erdulest. Meine Gedanken sind oft bei Dir gewesen, und es tat mir leid, daß ich keine Möglichkeit finden konnte, Dir zu helfen. Du und Mohr, Ihr wart fast der ständige Gegenstand unserer beinahe täglichen Unterhaltung, wenn ich morgens zu Nim2 um mein Pilsener Bier kam. Aber ich weiß, meine tapfere Jenny wird nicht den Mut verlieren, und wenn Du die nächste Prüfung überstanden hast, wirst Du, wie ich hoffe und erwarte, Deinen Haushalt in einer Dir etwas Ruhe und Frieden gewährenden Weise ordnen können.
Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sich Pumps gewandelt hat, seit sie hier ist. Sie beschäftigt sich mit nichts als mit ihrem Baby3; Kleidung, Vergnügungen, Ausflüge, alles scheint sie vergessen zu haben. Und sie behandelt das Kleine gut, mit ausgezeichneter Laune und Geduld, aber es ist auch wirklich ein sehr gutes Kind und lacht fast immer, selbst jetzt, da zwei Zähne durchkommen. Wir wollen hoffen, daß Mutter und Kind in dieser Weise fortfahren werden.
Schorlemmer, der Dir seine freundlichsten Grüße sendet, reist morgen nach Deutschland ab, und ich werde ihn nach London begleiten und dort für ein oder zwei Tage nach den Geschäften sehen. Wir werden noch weitere vierzehn Tage hier bleiben, wenn uns nicht das Wetter vertreibt, das seit letztem Dienstag außerordentlich wechselhaft ist. Dem armen Percy4, der am letzten Mittwoch kam, scheint es bestimmt zu sein, nasse Ferien zu haben, eine schlechte Aussicht für einen Rheumatiker. Was mich betrifft, so stärkt mich die Seeluft und das Baden großartig, und ich rechne damit, daß ich diesen Winter wirklich mit der Arbeit vorankommen werde.
Freundliche Grüße von allen an Longuet und Dich und die Kinder und alles Liebe von
Deinem aufrichtigen
F. Engels
Aus dem Englischen.