10, Columbia Terrace
Great Yarmouth, 20. Aug. 82
Lieber Emil,
Seit 10 Tagen sind wir hier, Schorlemmer, Pumps, Baby1 und ich, und das süße Nichtstun des Seebads ist schuld daran, daß ich erst heute dazu komme, Dir zu antworten.
Vor allen Dingen habe ich Dich direkt an Sam Moore empfohlen und ihn gebeten, Dir die Adresse seines Büros in der Stadt (Chambers nennt man das bei Barristers2) einzuschicken, da ich sie nicht hier habe und er doch am Tage nur dort zu treffen ist. Du wirst an ihm einen Muster-Engländer finden, der alle guten Eigenschaften seiner Nation hat ohne eine einzige der schlechten. Er ist natürlich auch Sozialdemokrat und spricht auch deutsch, wenn auch etwas außer Übung. Er wird Dir in allem, was in seinen Kräften steht, gern gefällig sein, und wird Dir mehr nützen können, als ich könnte. Wenn man seit fast 13 Jahren aus dem Geschäft und seit 12 aus Manchester ist, so hat man wenig Einfluß mehr auf Leute, deren erster Grundsatz ist, daß eine Hand wäscht die andre. Dagegen Moore ist erst seit 3–4 Jahren heraus und wohnt noch mitten unter ihnen, da läßt sich schon eher etwas machen. Ich z. B. weiß gar nicht einmal, ob die Leute, mit denen ich in Verbindung stand, noch leben oder noch dieselbe Firma haben oder nicht etwa das ganze Geschäft verkauft haben. Bei Ermen & Roby Dich einzuführen würde gar nichts nützen, eher schaden, die Leute würden Dir ihre Fabrik doch nicht zeigen und am Ende an der Börse andre ihnen bekannte Spinner und Fabrikanten vor Dir warnen.
In Strickgarn- und Nähgarnfabriken kommst Du deswegen nicht hinein, weil es meines Wissens außer E[rmen] & R[oby] in Manchester keine gibt. Doublers von Sewings3 gibt's allerlei, da siehst Du nur die alten Doubliermaschinen, sie verkaufen das Garn roh. Wie man am besten in die Fabriken kommen kann, das hängt von jedem einzelnen Fall ab, im allgemeinen hab' ich immer gefunden, daß es am besten geht, wenn man den Leuten, an die man sonst empfohlen ist, aufrichtig reinen Wein einschenkt und sagt, wer man ist. Mit Schlichen es zu versuchen, wie viele deutsche Spinner getan, hat fast immer dazu geführt, daß man sie entdeckt und an der Börse den andern denunziert hat, wo sie dann gar nichts mehr zu sehn bekamen. Die Art, wie man sich hier Konkurrenz macht, ist eben viel mehr auf großem Fuß als in Deutschland, und kleine Kniffe, dort oft angebracht, ziehn hier gar nicht.
Anfang Oktober kommt Schorlemmer auch wieder hin, der kann Dir auch behülflich sein. Sehr nützlich vor allem ist Dir eine Empfehlung von E[rmen] & E[ngels] an ein großes deutsches Kommissionshaus, die werden Dir schon weiterhelfen und Dir auch in einzelnen Fällen sagen, wo Verschwiegenheit, über das, was man selbst ist, etwa am Platz wäre.
Nun aber für heute genug. Der Tisch soll gedeckt werden. Im übrigen geht's uns hier sehr gut, schönes Wetter, Pilsener Bier, Seeluft und Seebad haben mir den Magenkatarrh, den ich am Montag Deiner Abreise hatte, gründlich vertrieben. Pumps und Schorl[emmer] lassen bestens grüßen.
Dein
F. Engels