72
Engels an Marx
in Ventnor

London, 9. Jan. 83

Lieber Mohr,

In aller Eile schicke ich Dir die Inlagen: 1. Lafargue, 2. Bebel, 3. Hepner, von denen ich mir 2. und 3. zurückerbitte.

Endlich also einmal ein Bericht über Jennys Zustand, aus dem man sieht, wie es eigentlich steht. Meiner Ansicht nach ist die Sache nicht so schlimm, wie sie aussieht, das arme Kind hat sich zu sehr heruntergebracht durch Überanstrengung und Scheu vor ärztlicher Behandlung, wird aber unter Lauras Direktion sicher bald wieder aufkommen. Ich habe L[aura] sofort £ 15 geschickt, die letzten fünf, damit Laura in ihren Besuchen bei und Einkäufen für Jenny etwas freiere Hand hat. Bis Jenny wieder imstande ist, ihr Haus zu führen, sollte aber Johnny doch besser hierbleiben.

Bebels Nachrichten über deutsche Industrie interessant, scheinen mir aber cum grano salis1 zu nehmen zu sein. Was sich ausdehnt, ist meist Luxusindustrie und allenfalls mechanische Weberei – dieser aber unterbinden die Garnzölle die Ausfuhrmöglichkeit. Spindeln haben sie seit der Annexation von Elsaß mehr als sie brauchen, Eisenhütten seit 1870 ditto, was kann sich also in der eigentlichen großen Industrie viel ausdehnen? Auch daß ihm der Rübenzucker so imponiert, deutet auf kleinen Gesichtspunkt hin. Daß der Staat den fabrizierenden Zuckerjunkern Profite zahlt, ist bereits im Landtag verhandelt worden.

Hepner. Was sagst Du dazu, daß das kleine Jüdchen (offenbar gedrängt von seinem Associé Jonas) uns die Pistole auf die Brust setzen will wegen einer Vorrede zum „Manifest"? Ich denke, auf solche schnoddrige Briefe antwortet man entweder gar nicht oder verweist ihn höchstens auf die Vorrede der Leipziger Ausgabe; wenn die ihm nicht gut genug, soll er das „Manifest" ungedruckt lassen.

Wenn Du an Sorge wegen Hartmann2 schreibst (falls nicht schon geschehn), könntest Du einige Zeilen über das Hepnerchen einfließen lassen.

Postschluß – ich mußte des Gelds wegen in die Stadt und dann die Versendung besorgen, daher verspätet.

Dein
F. E.