Montag, 21. August 1882
11, Boulevard Thiers, Argenteuil
Dear Fred,
Die „Versilberung“ fand statt vorgestern.
Die Woche, die mit letztem Montag begonnen, zeichnete sich aus durch abominables1 Wetter; Regen (kalt z. T.), Stürme, Schwüle; vor allem Nässe, während „Wassermangel“ zu Paris „offiziell“ angezeigt. Die hiesige Bürokratie würde zur Zeit selbst der Sündflut „offizielle Wassernot“ für Trinken, Waschen, häusliche und industrielle Zwecke etc. fertiggebracht haben.
Gestern meine letzte Wanderung im salle d’inhalation2 und Genuß von Bad und douche3 zu Enghien, eben daselbst untersucht zum Abschied durch Dr. Feugier; Resultat:
1. Das bronchitische Röcheln sehr reduziert; ganz wäre verschwunden ohne das Wetterpech.
2. Der pleuritische frottement-Lärm4 bleibt im status quo; ein durchaus vorhergesagter casus. Im besten Fall, und keineswegs häufigen, dauert diese Reliquie der pleurésie für Jahre. Man schickt mich an den Genfer See, von wo bis jetzt günstige Wetterberichte, indem die beiden Doctores5 meinen, daß möglicherweise die letzten Reste des Bronchialkatarrhs von selbst dort „alle“ werden können. Qui vivra verra.6 Für Berglungen-gymnastik die saison zu avanciert und vor allem Kälte zu vermeiden.
Diesmal vorgeschrieben, nur bei Tag zu reisen nach der Schweiz, so daß ich in Dijon über Nacht zu bleiben; nächsten Tag erst nach Bestimmungsort abzurollen. Man will platterdings jeden Vorwand zu „rechute“7 abschneiden.
Tussychen reiste ab mit Johnny letzten Mittwoch; wir haben Brief von ihr erhalten; lief alles gut ab. Am 19. August (Samstag) wollte sie mit Johnny nach Eastbourne. Da für ihre pädagogische Zwecke vor allem the young man8 beim Beginn nur unter ihrer Aufsicht stehe, wählte Tussy Seeort, wo er keine „Freunde“ vorfinde.
Jennychen ist leider krankhaft. Unter jetzigen „Umständen“ entbehrt sie dabei aller Ruhe und Erholung.
Laura is all right9; morgen reist sie fort mit mir.
Der Skandal Lissagarays mit der Bande Brousse hat das gute Resultat, daß letztere über kein Tageblatt mehr verfügt. Der Diplomat Malon hält sich neutral bei dieser Gelegenheit vis-à-vis des Brousse, da er (Malon) nicht seinem Redakteur-en-chef Rochefort gegenüber Sympathien für Brousse et Co. im „Intransigeant“ sich erlauben darf (auch „wünscht“ Malon das nicht zu „dürfen“).
Guesde und seine Partei gewinnen das Oberwasser.
Beste Grüße an Jollymeyer und Pumps.
Salut.
Der „Mohr“
Mit gewöhnlichem Takt bringt Herr Longuet mir zum Dejeuner den Roy10; während 3 Monaten fand er hierzu keinen Tag bis heute, wann ich zu packen habe etc. etc., außerdem ich Dr. Dourlen Abschiedsbesuch machen muß, endlich mit Jennychen allein zu sein wünsche.