[London] 16. Juni 79
In ergebener Erwiderung Ihres werten Schreibens vom 29. Mai bedaure ich, dem darin ausgesprochnen Wunsch, in Ihrem Verein einen Vortrag zu halten, unter den gegenwärtigen Umständen nicht nachkommen zu können.
Das Organ des Vereins, die „Freiheit“, hat es angemessen gefunden, die Haltung der sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstag öffentlich anzugreifen. Wenn nun auch im Reichstag von seiten einzelner unsrer Vertreter Äußerungen gefallen sind, die ich ebenfalls für unpassend halte (und worüber ich meine Ansicht an geeigneter Stelle privatim mitzuteilen nicht unterlassen), so kann ich mich doch keineswegs einverstanden erklären mit der von der „Freiheit“ gewählten Art der Kritik und noch viel weniger damit, daß man diese Art der Kritik glaubt öffentlich führen zu müssen.
Sie begreifen, daß, wenn ich unter diesen Umständen im Verein einen Vortrag halten wollte, dies in Deutschland und anderwärts die Ansicht hervorrufen müßte, als billigte ich die von der „Freiheit“ angenommene Haltung.