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Engels an Wilhelm Liebknecht
in Leipzig

London, 1. März 79

Lieber Liebk[necht],

Wir haben nochmals durch Barry versucht, bei der „W[hitehall] R[eview]“ wenigstens für Reichstagsberichte ein Arrangement zu treffen, aber der Esel bestand auf Unterzeichnung der Artikel, und da haben wir ihm direkt absagen und ihn laufen lassen müssen. Die Verhandlungen haben etwas lange gedauert, und ehe das Resultat oui ou non1 erlangt, war natürlich nichts zu sagen.

Die Breslauer Wahl hat auch hier einen famosen Effekt gemacht. Noch mehr aber die rasche Selbstabwirtschaftung Bismarcks. Er arbeitet wirklich „von Fall zu Fall“ – de chûte en chûte2. In der englischen Presse findet er fast keine Verteidiger mehr – selbst die „Times“, die sehr tief mit ihm drinsaß, sucht sich herauszuziehn. Seitdem er Schutzzöllner geworden, wollen die Engländer natürlich erst recht nichts mehr von ihm wissen. Übrigens auch in Deutschland wäre Rückkehr zum Schutzsystem direkt reaktionär. Jedenfalls ist es sehr gut, daß Monsieur B[ismarck] wieder zur Auflösung hintreibt. Er soll den deutschen Philister nur recht toll machen, am Ende reißt doch auch dem die Geduld, namentlich wenn’s an den Beutel geht. Und den muddle3, den B[ismarck] in der auswärtigen Politik angerichtet, der ist nun gar vollends unbezahlbar.

Mosts Blättchen4 scheint guten Fortgang zu haben – er läßt sich zuweilen sehn, aber nicht oft, und wir können natürlich auch keinerlei Verantwortlichkeit übernehmen für das Darinstehende. Aber wir wünschen ihm natürlich guten Erfolg, wie allem, was in der rechten Direktion geschieht, wenn auch mit noch so unvollkommnen Mitteln.

Dein
F.