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Marx an Wilhelm Bracke
in Braunschweig

[London] 26. Mai 18771

Lieber Bracke,

Das von Fr. Kurz Erwartete ist heute von London abgegangen. Im Laufe der folgenden Woche erhält sie (mit Ausnahme glaube ich des Appendix) alles, was Lissagaray ihr noch an Veränderungen zu schicken hat.

Im übrigen möchte ich darauf aufmerksam machen:

1. Die Kurz hätte selbstverständlich, was sie in Form von Manuskript von L[issagaray] erhalten hat, stets mit ihrem eignen Manuskript Ihnen zuschicken müssen. Bei ihrer meisterhaften Manier zu übersetzen (sieh einige wenige neue Proben auf der andern Seite), wie kann ich sie kontrollieren ohne L[issagaray]s Mskr.? Ich bin überzeugt, daß sich infolgedes schon allerlei Unzulängliches eingeschlichen.

2. konnte sie sich sehr wohl sagen, daß L[issagaray] dies Mskr. für seine eigne 2te französische Ausgabe braucht.

Im ganzen ist die Übersetzung, wo sie nicht direkt falsch ist, oft unbehülflich, philisterhaft und ledern. Doch dies mag vielleicht gewissermaßen deutschem Geschmack entsprechen.

Mit bestem Gruß

Ihr
K.M.

Bestehn Sie also gefälligst darauf, daß die P.P. K[urz] Ihnen erstens (zur Rückgabe an L[issagaray]), das bereits von ihr übersetzte Mskr. L[issagaray]s zuschickt (Sie können es mir mit den Korrekturen zugehn lassen) und zweitens das Manuskript, was sie erst übersetzt, stets ihrem eignen Manuskript beilegt, so daß ich Übersetzung und Original vergleichen kann. Im ganzen ist dies zuschüssige Manuskript nicht umfangreich.

Der sehr von mir zerstrichne Passus p. 73 muß so gelesen werden:

„Diese Emanzipation erwartete es von der autonomen Kommune, die etc. etc. ihre Verwaltung unabhängig leiten würde innerhalb der Grenzen, welche die Erhaltung der nationalen Einheit erfordert. Statt des Vertreters, der etc. kann, sollte etc. jenem monarchischen Auswuchs der Gesellschaft, dem ‚Staat‘, der etc. zehrt, besondre Klasseninteressen vertritt, der etc., stellte es die Delegation mit eignem Leben begabter Kommunen gegenüber, die etc. sollte, die allgemeinen nationalen Interessen zu verwalten.“

Proben

p. 49 „A l'appel de son nom il a voulu répondre“ übersetzt Fr. Kurz: „Er wollte dem an ihn ergangnen Aufruf entsprechen.“ Reiner Blödsinn! Meint: „Bei seinem Namensaufruf wollte er antworten etc.“

{ditto „les yeux ... brillants de foi républicaine“; foi heißt hier nicht „Treue“ (heißt das überhaupt nie außer in dem Sinn: Meiner Treu! (ma foi)) sondern Glaube, Überzeugung etc. Ich habe es gelassen, wie es da steht, da ich dergleichen Phrasen überhaupt im Deutschen nicht liebe; also nichts daran liegt, ob ein X für ein U steht.}

p. 51 „des intrigants bourgeois qui couraient après la députation“. K[urz] übersetzt „welche der Deputation nachliefen“. Ein Sextaner könnte nicht schlechter übersetzen.

p. 51 „pour statuer en cas de doubles nominations“ übersetzt K[urz] himmelschreiend: „um im Notfall“ (was soll das heißen?) „doppelte Ernennungen zu statuieren“!!! Soll heißen: „um im Fall doppelter Ernennungen zu entscheiden“.

p. 54 „une permanence“ übersetzt sie eine „permanente Sitzung“ (was der Teufel ist das?). Meint „permanenten Ausschuß“.

p. 59 statt „verfallenen Wechsel“ übersetzt sie „verfallene Handelsgegenstände“ (!!!).

p. 70 „l'intelligence etc. de la bourgeoisie de cette époque“ übersetzt sie „der Großbourgeois aus diesem Zeitpunkt“. (!) Eine Epoche ist ebensowenig ein Zeitpunkt als eine Linie ein Raumpunkt ist.

p. 75 „C'est que la première note est juste“ übersetzt sie: „Das kam daher, daß die erste Abrechnung (!) richtig war“, soll heißen, daß sie von vornherein die richtige Note getroffen oder angeschlagen hatten.

p. 90 „plumitifs“ – „Federfuchser“ übersetzt sie Gerichtsbücher!!!