21. Januar 1877
41, Maitland Park Crescent
London, N. W.
Lieber Freund Freund!
Mein Neujahrswunsch an Sie und Ihre liebe Frau kommt leider verspätet, dank Arbeitsdrang und Halsentzündung, die ich mir während der letzten Tage zu Karlsbad zugezogen. Es ging mir dort wie dem Bauer Martin Luthers, der, von einer Seite aufs Pferd gesetzt, von der andern herunterfällt.
Meine Tochter1 empfiehlt sich bestens Ihrer Frau und Ihnen. Sie hat unter anderm eine von der hiesigen Shakespeare-Gesellschaft, deren Mitglied sie ist, gedruckte Übersetzung von Professor Delius’ „Das epische Element in Shakespeare“ versündigt, die ihr jedoch große Elogen von seiten des Herrn Delius ergattert hat. Sie bittet mich, Sie um den Namen des Anti-Shakespeareschen schwäbischen Professors und Titel seines Werkes zu ersuchen, von dem Sie uns in Karlsbad sprachen. Der Matador der hiesigen Shakespeareschen Gesellschaft, Mr. Furnivall, will durchaus nicht auf den Genuß dieses Opus verzichten.
Die „Orientalische Frage“ (die mit Revolution in Rußland enden wird, was immer der Ausgang der Kriegs gegen die Türken) und die Musterung der sozialdemokratischen Streitkräfte im Vaterland werden den deutschen Kulturphilister wohl überzeugt haben, daß es noch wichtigere Dinge in der Welt gibt als Richard Wagners Zukunftsmusik.
Mit besten Grüßen an Sie und Ihre liebe Frau
Ihr freundschaftlichst ergebener
Karl Marx
Wenn Sie zufällig Dr. Traube sehen, grüßen Sie ihn bestens von mir und erinnern ihn gefälligst, daß er mir die Zusendung der Titel seiner verschiedenen Publikationen versprochen hat. Sie wäre sehr wichtig für meinen Freund Engels, der an einem naturphilosophischen Werk arbeitet, und mehr, wie es bisher geschehen, die Leistungen Traubes betonen wird.
Nach: „Vorwärts“, Berlin,
Nr.275, vom 16. Juni 1931, Beilage.