[London] 21. Jan. 1877
Lieber Bracke,
Glückauf! zur jüngsten Musterung der sozialdemokratischen Streitkräfte in Deutschland! Sie hat dem Ausland sehr imponiert, ganz besonders England, wo die Berliner Zeitungs korrepondenten seit Jahren alles aufgeboten, um ihr britisches Lesepublikum über unsere Parteiverhältnisse zu mystifizieren. Aber „murder will out“1, wie John Bull sagt, wenn er falliert.
Ich möchte nun endlich näher wissen (wollte Sie während der Wahlagitation nicht damit heimsuchen), wo ich mit Fräulein Isolde2 dran bin. Sie hatte mir den ersten Übersetzungs-Probebogen geschickt; ich hatte ihr geantwortet, sie sei fähig für das Werk, wenn sie sich Zeit nehme und nicht überstürze, ihr auch die ferneren 4 Bogen zugeschickt. Gleichzeitig sandte ich ihr aber auch ein ziemlich weitläufiges Sündenregister, betreffend den Probebogen.
Dies scheint des Dämleins Nerven etwas schockiert zu haben, denn in ihrem Antwortschreiben blickte eine gewisse Gereiztheit durch. Ohne mich dadurch beirren zu lassen, schrieb ich ihr abermals in dem Sinn, daß ich sie als die erwählte Übersetzerin betrachte. Seitdem sind nun Wochen vergangen, und ich habe nichts Weiteres gehört noch gesehn. Es ist nun absolut nötig, daß sich das Fräulein entscheidet, oui ou non3, im ersten Fall aber auch wirklich Arbeit liefert. Sie sind wohl so gut, ihr in diesem Sinn zu schreiben. Sollte sie abtrünnig geworden sein, so müßte man es mit den Scheus4 versuchen, obgleich ich ungern (was aber nichts zur Sache tut) mit Herrn Scheu irgendwas zu tun habe. Zeit ist nicht mehr zu verlieren. Sollte Isolde, die Holde, abschlagen, so müßte sie ditto die erhaltenen französischen Bogen mir rücksenden.
Sie sind wohl so gut, einen doppelten Vertrag auszufertigen – gemäß den unter uns übereingekommenen Bedingungen –, wovon einer mit Ihrer Unterschrift dem Lissagaray bleibt und der andre mit seiner Unterschrift Ihnen rückgesandt wird.
Salut.
Ihr K. Marx