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Engels an Philipp Pauli
in Rheinau

London, 16. Dez. 76

Lieber Pauli,

Gestern habe ich per Continental Parcels Express und des weiteren per Deutsche Reichsfahrpost eine Kiste franko an Dich abgeschickt, adressiert: Herrn Dr. Pauli, Mannheim (chemische Fabrik Rheinau), Germany, enthaltend einen Plumpudding für Deine Frau, einen Korinthenkuchen, den meine Frau1 für Dich gebacken hat, ein Buch, ein Kästchen mit Schnupftüchern und ein kleines Tintenfaß für Pumps. Da die Kiste nicht mehr hielt, waren wir gezwungen, ein neues Kleid für sie in die Kiste mit dem Pudding für Schupps zu tun; es ist ein Leidwesen mit diesen Kisten, man muß sie eben nehmen, wie man sie findet, es sind deutsche Spielwarenkisten.

Falls das Kistel bis spätestens Mittwoch nicht eingesprungen, tust Du gut, in Mannheim auf dem Fahrpostamt Nachforschungen anzustellen, die Post ist dafür verantwortlich, sie und die Continental Parcels Express sind Agenten eins für das andere. Indes hoffe ich, daß alles richtig ankommt, da wir die Sachen so früh aufgegeben, daß sie vor dem von der Reichspost eingestandenermaßen nicht zu bewältigenden Weihnachtstrubel ankommen sollten.

Deine beiden Briefe habe ich erhalten und danke Dir nachträglich wegen Auskunft über Schmidt. Von Frankfurt ähnliche Nachricht: der Sonnemann, auf den er sich bezog, kennt ihn ebenfalls nicht – einer der Redakteure der „F[rank]f[urte]r Z[ei]t[un]g“ aber kennt ihn als „Majestätsbeleidiger von Profession“ und dito Märtyrer mit Vorbedacht, der dann nachher „auch auf sein Martyrium wohl ein bißchen schnorrt“ (norddeutscher Ausdruck für Betteln). Er schrieb mir noch einmal, worauf ich ihn auf die mir gegebnen falschen Referenzen aufmerksam machte, und seitdem hab’ ich von dem Elefanten auf Krücken nichts mehr gehört.

Ich will sehn, daß ich Dir die Artikel in der einen oder der andern Form zuschicke, sobald mehrere erschienen sind. Nachher erscheinen sie im Separatabdruck, und den erhältst Du natürlich auch.

Meine Frau ist seit 4–5 Tagen ganz ohne alle erkennbare Ursache bedeutend besser geworden, es ist fast wunderbar, was für Sachen man in der Art bei Frauenzimmern zwischen 40 und 50 erlebt. Ich will nur hoffen, daß es vorhält.

In dem Kistchen ist auch etwas Weihnachts-Immergrün, ilex, mit den sakramentalen roten Beeren, um ihn auf den Pudding zu stecken, wenn er aufgetragen wird. Dieser ilex liegt ganz oben, damit die Zöllner sich die Finger darin verstecken.

Und nun beste Grüße von meiner Frau und mir an Euch alle und vergnügte Feiertage!

Dein
F. Engels