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Engels an Ernst Dronke
in Waterloo
(Entwurf)

[London] 1. Nov. 76

Lieber D[ronke],

Was ich Dir heute schreibe, war ich vorigen Freitag auf dem Punkt Dir zu sagen, als Du jede Intervention meinerseits kategorisch ablehntest.

Ich bin nicht in der Lage, eine Summe von £ 150, noch weniger £ 200 zu verlieren, also auch nicht, sie aufs Spiel zu setzen. Wäre ich noch im Geschäft, wo ein etwaiger Verlust sich mit der Zeit wieder ersetzt, so wäre das etwas andres. Selbst wenn ich mit Götz, den ich kaum von Ansehn kenne, anders stände, und wenn nicht die ganze Transaktion dadurch für mich sehr fatal würde, daß sie nicht ohne Kyllmanns, also Dr. Borch[ar]dts, Vorwissen gemacht werden kann, würde ich also eine solche Garantie, wie Du sie wünschtest, keinesfalls übernehmen können.

Selbst wenn ich noch im Geschäft wäre, könnte ich selbstredend nicht daran denken, aus alter Freundschaft auf die Karte einer mir ganz unbekannten Geschäftslage so ohne weiteres eine Summe von £ 150 zu setzen. Aber ich könnte doch weitergehn als jetzt, wo ich einen derartigen Verlust nicht mehr einfach ans Bein binden kann. Andrerseits möchte ich Dir gern helfen, sobald es sich nur darum handelt, Dir ohne solches Risiko meinerseits für einige Zeit disponible fonds zu verschaffen.

Meinem Schwager1 hattest Du eine Policy von £ 300 als kollaterale Sicherheit angeboten. Ich offerierte ihm, wenn er auf Deinen Vorschlag eingehn wollte, ihm die £ 150 zu zahlen, im Fall Du sie nach den 6 Monaten nicht zahltest.2 Ich konnte bis dahin das Geld flüssig machen, was ich augenblicklich nicht konnte, und er hielt dann die Policy als Sicherheit für mich. Aber er lehnte es überhaupt ab, auf die Sache einzugehn. Hättest Du mir damals gleich dieselbe Offerte gemacht wie meinem Schwager, so wäre ich zwar nicht imstande gewesen, Dir sofort die £ 150 vorzuschießen, doch würde sich schon etwas haben arrangieren lassen. Nun ist mir aber ein amerikanischer 5/20 Bonus bei der letzten Ziehung herausgekommen, und ich bin dadurch in den Stand gesetzt, über £ 150 disponieren zu können, und sie stehn zu Deiner Verfügung auf 6 Monate, wenn Du mir die Policy als Sicherheit gibst. Bei mir liegt sie jedenfalls ebenso sicher, wo nicht sicherer als bei einem andern.

Ich habe Dir ganz offen gesagt, wie ich die Sache ansehe und wie weit ich gehn kann. Vielleicht hast Du andre Vorschläge zu machen, und in dem Fall werde ich sie gern in Erwägung ziehn. Nur noch dies: Laß uns, was abgemacht wird, direkt unter uns, ohne Dritte, ohne Garantieleistung etc. abmachen, das ist viel einfacher.