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Marx an Pjotr Lawrowitsch Lawrow
in London

[London] 21. Oktober 1876

Mein lieber Freund,

Einliegend ein Ausschnitt aus der „Pall Mall Gazette“; dieser Auszug aus Ihrem leader1 (in Nr. 42 des „Впередъ!“2) ist schlecht übersetzt, obgleich Sir etc. Rawlinson ihn gemacht hat. Kowalewski hatte mich darüber informiert und mir die Sache auch geschickt. Er bat mich, ihm die Nr. 42 Ihrer Zeitung zu leihen, aber selbst das schönste Mädchen Frankreichs kann nur das geben, was es hat. Ich hatte sie schon Utin (Lüttich) geschickt.

Kowalewski hat mir auch mitgeteilt – Sie können in Ihrer Zeitung davon Gebrauch machen –, daß eine erbärmliche russische Clique, die sich anmaßt, die literarische Spitze Rußlands darzustellen, und die in diesem Sinne ihr Unternehmen Rawlinson und anderen hohen englischen Persönlichkeiten angekündigt hat, beabsichtige, in London eine Zeitschrift herauszugeben, um die Engländer über die wirkliche politisch-soziale Bewegung in Rußland zu informieren. Chefredakteur soll Golochwastow sein nebst anderen Mitarbeitern des schmutzigen Blattes „Гражданинъ“3 und, wie man sagt, Fürst Meschtscherski.

Die russische Regierung hat bereits das Signal ihrer Zahlungsunfähigkeit gegeben, indem sie die Bank von Petersburg erklären ließ, ausländische Wechsel würden nicht mehr gegen Gold (resp. Silber) eingelöst. Darauf war ich gefaßt, was aber zu weit geht, ist die Tatsache, daß diese Regierung, bevor sie diese „unangenehme“ Maßnahme traf, wieder die Dummheit begangen und den Versuch gemacht hat, zwei oder drei Wochen lang den Wechselkurs an der Londoner Börse künstlich aufrechtzuerhalten. Das hat sie fast zwanzig Millionen Rubel gekostet; ebensogut hätte sie dieses Geld in die Thames4 werfen können.

Diese absurde Operation – die künstliche Aufrechterhaltung des Wechselkurses auf Kosten der Regierung – gehört dem achtzehnten Jahrhundert an. Heute können sich nur noch die russischen Finanzalchimisten auf so etwas einlassen. Seit dem Tode von Nikolaus haben diese grotesken, sich periodisch wiederholenden Manipulationen Rußland mindestens 120 Millionen Rubel gekostet. So etwas kann nur eine Regierung tun, die allen Ernstes noch an die Allmacht des Staates glaubt. Die anderen Regierungen wissen wenigstens, daß „Geld keinen Herrn hat“.

Ganz der Ihre
Karl Marx

Aus dem Französischen.