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Engels an Ida Pauli
in Rheinau

11, Camden Square
Ramsgate, 27. Aug. 76

Liebe Frau Pauli,

Die Schnaken müssen es in der Tat arg getrieben haben, wenn Sie genötigt gewesen sind, in die Fußstapfen der russischen emanzipierten Damen zu treten und Zigaretten zu rauchen. Hoffentlich haben Sie indes auch, wie wir, seit 3–4 Tagen kälteres Wetter und damit Schnakenfreiheit. Wir haben hier positiv gefroren, die Fenster zumachen müssen, und meine Frau hat nach Pelzjacken geseufzt, in London war es Freitag nacht nur 6 Grad Reaumur, und in Liverpool sind die Melonen positiv verfroren.

Seit Dienstag ist Frau Marx bei uns1, sie hat sich wieder ziemlich erholt, wird aber wohl bis Dienstag wieder abreisen müssen, da sie eine Nichte2 vom Kap der Guten Hoffnung bis dahin erwartet.

Wir halten uns trotz des Wetters am Baden, da die See immer noch warm ist und bei dem Wind die Sturzwellen immer besser werden und einen warm halten, grade diese kalten Seebäder wirken am kräftigsten, und meine Frau hat sich wunderbar erholt, seitdem sie ins Wasser geht. Am Freitag packen wir wieder auf und kommen dann, hoff' ich, endlich wieder zur Ruhe. Wir beide haben das Bummeln jetzt herzlich satt, meine Frau sehnt sich nach ihrer Küche und ich nach meinem Schreibtisch und wir beide nach dem großen breiten Bett.

Die Adresse von M[arx] in Karlsbad ist: Dr. M[arx], Germania, Schloßberg, Karlsbad. Ich hatte vor einigen Tagen einen Brief von ihm3, das Karlsbader Wasser bekam ihm wie seiner Tochter Tussy sehr gut, leider aber hat's langweilige Folgen, man darf monatelang nachher weder kneipen noch Salat oder sonstige Sachen essen, die gut schmecken. Er wird wenigstens bis Mitte Sept. dort bleiben, vielleicht eine Woche länger, das hängt von der Kur und ihrer Wirkung ab.

Von Pumps hatten wir einen Brief gleichzeitig mit dem Ihrigen, ich werde ihr antworten, sowie ich wieder in London bin, hier in der Bummelanstalt gehört immer ein energischer Entschluß dazu, sich zum Schreiben hinzusetzen.

Wie steht's mit Paulis englischer Reise? er wird jetzt doch wohl mit der Bauerei in der Fabrik bald fertig sein, und da er die hochgehende See so liebt, sollte er es nicht zu lange aufschieben.

Frau Marx läßt sich Ihnen bestens empfehlen, und meine Frau und ich schicken Ihnen, Pauli und den Kindern allen die herzlichsten Grüße. Ich schicke Pauli heute eine Zeitung. Also halten Sie sich alle wohl und munter, und wenn das Bier besonders gut ist, denken Sie zuweilen an Ihren

aufrichtigen
F. Engels