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Engels an Philipp Pauli
in Rheinau

11, Camden Square
Ramsgate, 11th Aug. 76

Lieber Pauli,

Freitag bin ich richtig, wie beschlossen, noch nach Köln gereist und wäre die Nacht durch über Ostende nach London gegangen, wenn nicht der verfluchte Mückenstich an der linken Hand ganz kolossal angeschwollen wäre. Ich ging also ins Hotel in Köln und hielt die Hand ungefähr eine Stunde lang in Eiswasser, was der Entzündung die Spitze abbrach; Samstag über Vlissingen nach England, fand in Chatham einen Zug nach Ramsgate und kam direkt hieber. Als ich Dienstag nach London kam, fand ich Schorlemmer bei Marx und im Begriff, Mittwoch nach Darmstadt abzureisen, wo er wohl heute ankommen wird.

Hier ist's immer noch sehr schön, gemäßigte Sommerwärme und frischer Seewind, dazu das Flaschenbier vortrefflich und die Baderei im Salzwasser „e wohres Laubsal", wie die Nähterin bei Nadler1 sagt. Die Dinger haben mich sehr lachen gemacht, namentlich ist der patriotische Kleinstädter von Anno 48 sehr gut geschildert.

Die Überfahrt von Vlissingen war wieder spiegelglatt, ich bin das jetzt ordentlich leid, etwas Schaukeln gehört dazu, sonst weiß man gar nicht, daß man auf der See gewesen. Indes kann ich das hier haben, so oft ich will, auf den Vergnügungsbooten, die jeden Nachmittag ausfahren.

Wir bleiben noch bis Montag über 14 Tage hier und werden uns dann hoffentlich in London wieder zur Ruhe setzen von dem vielen Nichtstun, wo mar getriebe habbe.

Meiner Frau ist das Reisen und Seebaden sehr gut bekommen, so daß ich hoffen darf, sie mit passabler Gesundheit auch den Winter durchzubringen. Sie sowohl wie ich schickt ihre besten Grüße an Dich, Deine Frau und die Kinder, und mit der Hoffnung baldiger Schnakenverminderung für Rheinau schließe ich wegen hereinbrechenden Tischdeckens als

Dein getreuer
F. Engels