[London] 18. Juni 75
Mein lieber Freund,
Als ich vorgestern bei Ihnen war, vergaß ich, Ihnen eine wichtige Neuigkeit mitzuteilen, die Ihnen vielleicht noch nicht bekannt ist. Dem Physiologen Traube in Berlin ist es gelungen, künstliche Zellen herzustellen. Allerdings sind das noch keine natürlichen Zellen: sie haben keinen Kern.
Durch Mischen kolloidaler Lösungen, z. B. von Gelatine mit Kupfersulfat usw. erhält man von einer Membran umgebene Klümpchen, die man durch Intussuszeption zum Wachsen bringen kann. Damit hat die Bildung von Membranen und das Wachstum von Zellen das Reich der Hypothesen verlassen. Damit ist ein großer Schritt getan, der um so gelegener kam, als Helmholtz und andere im besten Zuge waren, die absurde Doktrin zu verbreiten, daß die Keime des irdischen Lebens fertig vom Mond herunterfallen, d. h. daß sie durch Meteore zu uns gebracht worden seien. Ich verabscheue derartige Erklärungen, die ein Problem lösen, indem sie es in eine andere Sphäre verweisen.
Die Handelskrise schreitet fort. Alles hängt jetzt von den Nachrichten ab, die von den asiatischen Märkten eintreffen werden, die seit Jahren immer mehr überfüllt wurden, besonders die Ostindiens. Unter gewissen Bedingungen, deren Vorhandensein jedoch nicht sehr wahrscheinlich ist, könnte sich der endgültige Krach noch bis zum Herbst hinausziehen.
Das wirklich bemerkenswerte Phänomen ist die Verkürzung der periodischen Dauer der allgemeinen Krisenzyklen. Ich habe diese Zahl nie für eine konstante, sondern stets für eine abnehmende Größe gehalten1; aber das Erfreuliche ist, daß sie so greifbare Anzeichen ihrer Abnahme aufweist; das ist ein schlechtes Omen für die Dauer der bürgerlichen Welt.
Meine Empfehlungen an Herrn und Frau Noel2.
Ganz der Ihre
K. M.
Aus dem Französischen.