[London] 10. Mai 75
Liebe Jenny,
Dein Unwohlsein hat uns alle sehr geängstet; doch hoffe ich, daß es jetzt nach dem Castor-oil1 und mit dem schönen Wetter sich verzogen hat.
Engels' Vorschlag, mit ihm nach Shanklin zu gehn, war mir nach der Seite ganz recht, daß ich schon Deinetwegen meinen Aufenthalt daselbst für zweckmäßig halte; aber ich hätte gewünscht, daß er nicht meinetwegen zögert und andererseits mich in meiner freien Bewegung geniert, mich und sich damit quält. Ich erwarte nämlich die letzten proof-sheets2 von Paris und würde keine Ruhe haben, wenn durch meine Abwesenheit weitere Verzögerung in der so unsäglich verzögerten Publikation der Schlußlieferungen einträte. Diesmal habe ich zwei Briefe nacheinander von Lachâtre erhalten, der zur Zeit in Vevey (Schweiz) haust. Der Narr spricht seine allerhöchste Zufriedenheit mit den dernières livraisons3 aus, da sie allgemein, d. h. sogar ihm, verständlich seien. Ich antworte natürlich auf das Zeug ebensowenig als auf seinen malkontenten Brief von Brüssel.
Ich habe das Zirkular (das jetzt schon im Besitz von Bracke) über das Machwerk von Liebknecht-Hasselmann expediert4; es ist eine kleine Broschüre; ditto Herrn Schramm in Berlin den erwünschten Aufschluß gegeben; endlich Willebrord unglücklich gemacht, alle Mitarbeit an einem Journal unter der Redaktion von Messieurs de L'Indépendance strictly absagend. Es tut mir des W[illebrord] wegen leid; aber auch welch unsinniges Verlangen.
Hier im Haus alles beim alten. Jennychen scheint mir das bessere Wetter wohl zu bekommen. Zu seiner großen Genugtuung hat mother5 Lormier dem Longuet unbarmherzig seinen „französischen" Möbel-rubbish6 kritisiert. Mit Lafargues Geschäft scheint's zu gehn.
Ich hüte heut das Haus, da Lenchen und Tussy nach der Stadt, wo sie auf einer Möbelversteigerung Rendezvous mit Jennychen haben.
Unser Gärtchen grünt ganz munter.
Lopatine hat mich Freitag überrascht. Den folgenden Sonnabend ging er schon ab nach Hastings, wo er ein paar Monate wohnen wird. Er fand, daß zu Paris sein Logis keinen Augenblick von russischen Besuchern frei blieb und ihm das Arbeiten so unmöglich gemacht wurde.
Mit herzlichem Gruß.
Dein
Karl
Gruß auch Madame Lizzy von mir.