53, Grand Parade, Eastbourne
20. Aug. '79
Lieber Mohr,
Inl. die Briefe von H[irsch] zurück, dito einer von Liebkn[echt], dem ich eben geantwortet. Ich hab' ihn auf seine merkwürdigen Widersprüche aufmerksam gemacht: „an H[irsch] schreibst Du, hinter dem Blatt stehe ‚die Partei + Höchberg'; das heißt doch, wenn H[öchber]g irgendein Plus ist, sein Geldbeutel, da er sonst eine negative Größe ist. Jetzt schreibst Du mir, H[öchber]g habe keinen Pfennig gegeben. Das reime, wer kann, I give it up1.“ Ebenso, daß es absurd sei zu sagen, Hirsch habe Bernst[ein]s Brief „noch alberner mißverstanden“, da dieser Brief gar kein Mißverständnis zuließ, B[ernstein] sich direkt schon als Redaktionsvorgesetzter darin gerierte. Er, L[iebknecht], glaube natürlich alles zum besten arrangiert zu haben, aber H[irsch] habe das Recht, mit eignen Augen zu sehn, und dazu verweigre L[iebknecht] ihm alles Material; wenn H[irsch] also ablehne, so sei er, L[iebknecht], schuld daran. „Was uns angeht, so ist soviel sicher, daß, wenn H[irsch] nicht annimmt, wir uns sehr reiflich überlegen werden, was wir tun, und sicher nicht anbeißen, ohne zu wissen, wer denn ‚die Partei' ist, die hinter dem Blatt steht.“ Denn, hab' ich ihm gesagt, grade jetzt, wo alle faulen und eitlen Elemente sich ungestört vordrängen können, sei es endlich Zeit, die Vertuschungs- und Versöhnungspolitik fallenzulassen und, wo nötig, auch etwas Streit und Skandal nicht zu fürchten. Eine Partei, die sich lieber von jedem dummen Jungen auf der Nase tanzen lasse, als daß sie das Herz fasse, ihn öffentlich zu desavouieren, könne einpacken. Z. B. Kayser.
Die Lafargues sind seit Montag hier und bleiben bis übermorgen; wir wollen versuchen, Laura noch ein paar Tage länger hierzubehalten. Sie brachte uns die Nachricht, daß Jennys Katastrophe, wie wohl jeder außer ihr und Longuet vorhergesagt, richtig in Ramsgate vor sich gegangen. Sonst scheint dort alles so gut zu gehn, wie erwartet werden kann.
Seit gestern haben wir stark wackeliges Wetter, was Jollymeier kein besondres guttut, er hatte sich ziemlich erholt, Fieber verloren, Appetit wiederbekommen, Schmerzen gering, aber jetzt ist eine Art Stockung eingetreten, und die Besserung geht nicht mehr so rasch, doch ist er soweit auch nicht schlimmer. Heute haben wir Regatta gehabt, und da ist etwas Regen de rigueur2. Da Ihr etwas mehr Südwest und dem Atlantic näher, so fürchte ich, Ihr habt's noch schlimmer und mehr aus erster Hand.
Auch ein verlegner Brief von Bernstein liegt bei, dem ich noch nicht geantwortet habe; Du behältst alle die Sachen am besten bis auf weiteres, mit B[ernstein] hat's keine Eile, und das edle „Jahrbuch" kann auch ruhig in London liegenbleiben, bis ich komme.
Wegen Sch[orlemmer] ist's gut, daß wir hiergeblieben sind, und bleiben auch noch hier, jedenfalls bis 28. cr., was dann wird, hängt von seinem Zustand ab und natürlich auch vom Wetter. Wo möglich ein paar Tage Isle of Wight und Gegend.
Auf dem Pier lief heute der alte Ruge verjüngt als Nigger serenader3 herum und verkaufte Feuerwerksprogramme.
Lafargue und Laura grüßen herzlich und hoffen mit uns, daß es Euch fortwährend wohl geht. Beste Grüße von Pumps und mir an Tussy und Dich.
Dein
F. E.