[London] 26th July1 1876
Dear Fred,
Du wirst Dich erinnern, trotz der Seaside2, daß Du erst letzten Montag abgereist bist; außerdem hieß es bei den Nr. 122 hausenden relicts3, daß Ihr schon Mitte oder Ende dieser Woche (so ward mir noch gestern berichtet) zurückkehren würdet. Was die vergangne Woche betrifft, so war Laura (und ich ging mit ihr, da meine Frau schrieb, daß sie sehr unwohl) die letzte Hälfte derselben in Brighton (Lafargue kam Sonnabend und kehrte Sonntag wieder mit mir und Laura zurück); Longuet und Jennychen waren aber noch schoolbound4. Die Lafargues werden diesen Freitag oder Sonnabend nach Ramsgate kommen und Sonntag wieder zurückkehren, da Lafargue sein business nicht unterbrechen kann und Laura Montag wieder Unterricht geben muß. Frei hat sie nur die letzte Woche vom August. (Den einen Tag, den sie letzte Woche hat ausfallen lassen, muß sie diese Woche wieder gutmachen, was bei dieser Hitze keineswegs erfreulich.) Den Inhalt Deines Briefs werde ich den übrigen Familiengliedern mitteilen.
Meine Frau war noch sehr leidend, als wir kamen; etwas besser, als wir sie verließen. Sobald sie sich wohl genug fühlt, wird sie sicher ein paar Tage in Ramsgate zubringen wollen. Lenchen ist für die nächsten Tage vollauf mit den Vorbereitungen für Tussys Reise beschäftigt.
In Brighton erzählte man uns, daß Madame Bravo Ballettänzerin war und Madame Cox ihr dressmaker5. Während des Aufenthalts meiner Frau in Brighton gab Mrs. Bravo daselbst great public (plus ou moins) dinner parties6.
In dem letzten „Впередъ“ ist ein widerlich lobhudelnder Artikel über Bakunins Begräbnis, wobei Guillaume, Brousse, die beiden Reclus und l’illustre Cafiero die Hauptactors. Bakunin figuriert darin als „Gigant“ der Revolution. Ein folgender Brief ist von demselben Korrespondenten versprochen über die nach dem Begräbnis vorgegangnen Vereinigungsprojekte der beiden Internationalen, nämlich der Jurassiens, die die „free Federation“7 der Arbeiter wollen, und der Deutschen, die den „Volksstaat“ erstreben. Zu dem Zweck habe man nur Artikel 3 der Statuten nach der auf dem „Kongreß von 1873“ (Guillaumes Kongreß) beschloßnen Variante umzumodeln. Liebknecht, in kurzem Paragraph des „Volksstaats“ (ich weiß nicht, ob Du’s schon gelesen), erklärt, daß niemand mehr als wir (i.e. er) dies wünschen könne; nur, fügt er als unverbesserlicher talker8 hinzu, laßt uns Taten statt Worte sehn. Es tut ihm natürlich wohl, daß der „Volksstaat“ als letztes Wort der außerbakunistischen Internationalen proklamiert wird von Herrn Guillaume. Lawrow betrachtet es offenbar als ein gutes businessmanœuvre9, durch Aufnahme der bakunistischen Korrespondenzen auch diese party10 für sein Blatt11 zu engagieren.
Das Brighton-Aquarium hat sich sehr herausgebissen seit der Zeit (3 Jahre her), wo ich es im Entstehn sah. Nach dem mit der parsonpower12 gemachten Kompromiß ist es auch Sonntag nachmittags (bis abend) offen, aber unter der trocknen Bedingung, daß die armen Teufel von Excursionists keinen Tropfen Flüssiges, selbst nicht ungebranntes Wasser, erhalten. Du mußt es Dir doch einmal einen Tag besehn gehn.
Besten Gruß an die ganze family und Madame Pauli.
Dein
Mohr