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Marx an Engels
in Ramsgate

8. Sept. 75
Germania, Karlsbad

Lieber Fred,

Du wirst wahrscheinlich schon von Tussy wissen, daß mein erster Brief, den ich eigenhändig, präsente Dr. Gans junior, am 18. August auf dem hiesigen Hauptpostamt an sie abgab, unterschlagen worden, zweifelsohne durch die preußische Post. Die späteren sind angekommen; der letzte, den ich vergangne Woche an sie schickte, scheint wieder das Schicksal des ersten geteilt zu haben, da ich sonst wohl schon Antwort von ihr hätte.

Die Kur bekommt mir diesmal ganz vorzüglich; mit wenigen Ausnahmen auch gute Nächte. Doch bin ich auch, nach der Aussage der zahlreichen mir befreundeten Ärzte, der Musterkurgast von Karlsbad. Diese Herrn haben sich selbst hier und da bestrebt, mich von dem Wege des „Heils“ abzulenken, unter dem Vorwand „praesente medico“1 etc., doch scheiterten die Versucher.

Als Patient des zweiten Jahrs bin ich heraufgerückt in der Rangliste der Brunnen. Voriges Jahr waren Theresienbrunn (41° R), Marktbrunn (39°) und Mühlbrunn (43,6°) meine Zufuhrquellen, während ich nur zweimal ein Glas Sprudel nahm. Dies Jahr, seit der zweiten Woche, Felsenquelle (1 Glas täglich) (45° R), Bernardsbrunn (53,8°) (2 Glas) und Sprudel (2 Glas), 59–60° R; macht 5 Gläser Heißes jeden Morgen, wozu noch ein kaltes Schloßbrunn beim Aufstehn und eins beim Schlafengehn hinzukommen.

Das Sprudelwasser besteht, nach Analyse von Prof. Ferd. Ragsky:

In 16 Unzen = 7680 Gr.
Schwefelsaures Kali1,2564
Schwefelsaures Natron18,2160
Chlornatrium7,9156
Kohlensaures Natron10,4593
Kohlensaurer Kalk2,2870
Kohlensaures Magnesia0,9523
Kohlensaures Strontian0,0061
Kohlensaures Eisenoxydul0,0215
Kohlensaures Manganoxydul0,0046
Phosphorsaure Tonerde0,0030
Phosphorsaurer Kalk0,0015
Fluorcalium0,0276
Kieselerde0,5590
Summa der fixen Bestandteile41,7099
Freie und halbgebundene Kohlensäure5,8670

Unter den Kerls, die hier zum Sedanfest aufriefen, war Gustav Köttgen, Kaufmann aus Barmen; sollte der mit dem alten Narren zusammenhängen?

Du mußt Dich in acht nehmen; Karl Grün macht Dir Konkurrenz, wird nächstes Frühjahr ein naturphilosophisches Werk herausgeben, hat schon präludiert in der Berliner „Wage, die Weiß mir aus Berlin geschickt hat.

Ich reise Sonnabend hier ab, zunächst nach Prag2, da ich heute Brief von Oppenheim von dort erhalten. Von Prag wird’s über Frankfurt gehn.
Soeben kommt Dr. Fleckles und nimmt mich zum Essen ab. Also aus dem langen Brief wird nichts; auch sagt F[leckles], es sei nicht kurgemäß. Beste Grüße an Madame Lizzy.

Dein
Mohr