London, 23. Januar 72
Sehr geehrter Herr,
Papa ist im Augenblick so sehr mit Arbeit überlastet, daß er Sie bittet zu entschuldigen, daß er Ihnen nicht selbst schreibt, sondern mich damit beauftragt. – Er hat wirklich sehr wenig Zeit, daß ich überzeugt bin, Sie werden es ihm nicht nachtragen, wenn er diesmal nicht selbst schreibt. – Ich soll Ihnen sagen, daß er trotz all der Arbeit, die er zu bewältigen hat, längst geschrieben haben würde, hätte er es nicht von Tag zu Tag verschoben in der Hoffnung, doch direkt mit Ihnen korrespondieren zu können. – Eine zweite Auflage von Papas Buch kommt jetzt in Deutschland heraus, und das macht ihm viel Mühe, denn es ist vieles geändert worden. Auch eine französische Ausgabe wird in Kürze erscheinen, und Sie werden verstehen, wieviel Arbeit es mit sich bringt, das alles vorzubereiten. – Er schreibt bis tief in die Nacht hinein und verläßt den ganzen Tag nicht das Zimmer – ich fürchte sehr, daß das seiner Gesundheit schaden wird. – Hoffentlich wird er diese verschiedenen Ausgaben bald beendet haben. Papa beauftragt mich, Ihnen mitzuteilen, daß er, was Rodbertus angeht, den Essay in der „Revue Positive“ gesehen, aber niemals das Buch erhalten hat. Es wäre ihm daher unmöglich, etwas zur Widerlegung des genannten Buchs zu schreiben, und der Essay bietet nicht genügend Angriffsmöglichkeiten. – Papa glaubt, Sie würden gut daran tun, die russische Ausgabe in keiner Weise zu verzögern, sondern sie so schnell wie möglich voranzubringen. – Ich hoffe sehr, daß, wenn erst eine französische Ausgabe von „Das Kapital“1 erschienen ist, eine englische bald folgen wird – die Engländer äffen alles nach, was die Franzosen tun; erst, wenn etwas aus Paris kommt, hat es hier Erfolg. So sind zum Beispiel die Biographie und das Bild Papas, die in der „Illustration“ erschienen, endlos von Zeitungen – nicht nur hier, sondern auch in Spanien, Italien, Deutschland, Amerika usw. abgedruckt worden – zweifellos haben Sie sie auch in Rußland gesehen.
Wir fangen alle an, sehr um unseren „gemeinsamen Freund“ besorgt zu werden. Das Interesse, das wir alle an ihm haben, läßt uns sehr fürchten um ihn. Ach, daß er jemals England verlassen hat! Wir haben seit mehreren Monaten nichts mehr gehört, und die letzten Nachrichten waren nicht ermutigend.
In der Hoffnung, daß Sie Papa entschuldigen werden, und mit der Bitte, seine besten Empfehlungen entgegenzunehmen, verbleibe ich, sehr geehrter Herr,
stets die Ihre.
Eleanor Marx
Aus dem Englischen.