[London, um den 13. September 1870]
Lieber Herr Engels,
Den herzlichsten Dank für Ihren lieben, langen, interessanten Brief.
Ich komme jetzt noch einmal auf unser Haus zurück und bedaure, daß Sie noch einmal die Mühe des Schreibens hatten. Die Sache mit dem Tapezieren steht so: Smith und der andre Agent erklärten sich bereit, das Zimmer zu tapezieren, wenn Sie es wünschten; sie meinten aber beide, daß die rote Tapete jetzt, nachdem sie gereinigt, ausgeflickt und instand gesetzt, jeder andern billigern vorzuziehen sei und daß sie 3mal so teuer als die Tapete im front room1 und daß sie die echte dining room Tapete2 sei. Ich ging darauf mit Lenchen noch einmal hin, da ich meinen eignen Augen nicht recht traute, und Lenchen war entschieden der Meinung der „Smith's“ und behauptet noch jetzt, daß sie sie jeder andern vorziehe. Ich ward unentschieden, und da ich nicht recht wußte, was tun, so wartete ich auf Ihren Brief. Vielleicht wäre es am besten, Sie sähen sich die Sache selbst hier an und entschieden dann. Es kann in einem Tage fertig sein, wenn Sie eine neue haben wollen. Bitte schreiben Sie, wie Sie es haben wollen. Das Haus schien uns sonst von oben bis unten in vollem repair3, und wir konnten beide nichts herausfinden. 2 zerbrochene Fenster wurden eben eingesetzt und ein neuer robinet4 (ich weiß eben das deutsche Wort nicht) am Waschstein in der Waschküche. Sonst schien mir alles in Ordnung, und ich glaube, daß der Mann noch Fehlendes gleich besorgen wird. Er schien mir ganz willig zu allem.
Sie müssen jedenfalls einige Nächte bei uns bleiben und am Tage von hier aus Ihre Arrangements treffen. Wir werden schon Raum für jeden finden. Wir bewohnen ja einen wahren Palast und nach meiner Idee ein viel zu großes und teures Haus.
Serraillier hat von Paris einen sehr interessanten Brief geschrieben, der alles wörtlich bestätigt, was wir alle längst von den liebenswürdigen Phrasisten wußten.5
Serraillier sagt, man werde fast zerrissen, wenn man die Wahrheit sage, und selbst die Bessern und Besten lebten von den 1792 Erinnerungen. Er ist ganz entzückt von Rochefort, mit dem er 2mal zusammen war, und hat sich in die Verteidigungskompagnie du cher Gustave6 aufnehmen lassen. Es ist vielleicht besser, dem Dupont einstweilen nicht mitzuteilen, daß Serraillier le sol sacré7 verteidigen hilft. Zuletzt möchte er doch „le cœur gros“8 haben und fortwollen. Et à quoi bon?9 Dupont mit seiner Reizbarkeit würde dort schön ankommen. Von Lafargues haben wir keine Nachricht. Ich bin so froh, daß der safe10 ist.
Jenny fühlt sich besser, leidet aber tief für die grrande nation, in die beide Mädchen11 rein vernarrt sind. Mit der Zeit wird’s anders werden. Wir alle hatten ja diesen raptus.
Die besten Grüße an Ihre liebe Frau12 von
Ihrer
Jenny Marx