36, Hardres Street,
Ramsgate [um den 18.August 1870]
Lieber Herr Engels,
Ich sende Ihnen hierbei einen Brief Lafargues, der Sie sicher interessieren wird. Zum erstenmal nach langer Zeit hört man mal etwas von den Leutchen und weiß nun auch, daß sie den siège1 nicht mitmachen wollen. Ein Trost wenigstens. Wie schrecklich sind alle Nachrichten von Paris. Hätte die grrrande nation zu rechter Zeit losgeschlagen, so hätten sie jetzt nicht das régime von Eugénie und Palikao. Ist es nicht schändlich, daß sie den Rochefort ruhig sitzenlassen, den einzigen politischen Kopf unter der jeune France2. Wahrhaftig, sie verdienen die preußische Zuchtrute noch mehr als man es ahnen konnte.
Ich bin so ärgerlich über die Hausgeschichte und weiß wirklich nicht, wie Sie dem Marquis beikommen wollen. Vielleicht hilft ein Brief an Mr. Smith mehr als mein persönliches Auftreten. Er wies stets alle Schuld der Verschleppung von sich ab und auf den Unteragenten. Es ist eine ganz konfuse Geschichte.
Gestern abend regnete es hier stark, so daß der Mohr am Abend nicht ausgehn konnte. Heute morgen scheint die Sonne wieder prächtig. Ich bin überzeugt, daß der Mohr sich hier in der herrlichen Seeluft ganz erholen würde, wenn er nicht das Pech mit dem Rheumatismus hätte, der ihn am Gehn und Schlafen hindert. Heute nacht war es aber bedeutend besser, und eben, nach Tische, hat er sich wieder etwas zum „bye byen“, wie wir die Siesten nennen, niedergelegt. Die Mädchen sind beständig an, in, bei oder auf der See und haben rote Backen und noch rotere Nasen, sind aber sonst sehr wohl und fidel. Beide leiden nur sehr wegen dem Downbreak3 ihrer Lieblingsnationen. Jenny ist total „French“ und Tussy „Irish“. Und wie toll hat sich der Pigott benommen. „E.M.“ ist nicht Tussy. Sie wird aber heute dem Esel einen Auszug aus der „Liberté“ schicken, worin die Franzosen sich alle irische Hülfe und allen Enthusiasmus förmlich verbitten, da sie doch lieber mit den „braven Engländern“ zu tun haben wollen. Das haben sie von dem bonapartistischen Frankreich. So dankt man ihnen für ihre Fackelzüge und Demonstrationen.
Die herzlichsten Grüße von allen und besonders von mir an Ihre liebe Frau4.
Ihre Jenny Marx