[London] 19. Jan. 1874
Lieber Wenzel,
Engels hat mir Deinen Brief an ihn mitgeteilt. Daher diese Zeilen. Nach meiner Rückkehr brach auf meiner rechten Backe ein Karbunkel aus, der operiert wurde; später hatte selber mehrere kleinere Nachfolger, und denke ich, daß ich in diesem Augenblick am letzten derselben laboriere.
Übrigens, kümmere Dich ein für allemal nicht um den Zeitungsklatsch, und noch weniger antworte darauf. Ich selbst erlaube den englischen Blättern, mich von Zeit zu Zeit tot zu melden, ohne ein Lebenszeichen von mir zu geben. Nichts ennuyiert mich mehr als der Schein, daß ich durch meine Freunde (Du bist in dem Punkt der große Sünder) dem Publikum Berichte über meinen Gesundheitsstand liefere. Ich gebe keinen Deut für das Publikum, und wenn mein gelegentliches Unwohlsein übertrieben wird, hat das wenigstens das Gute, daß es mir allerlei Anliegen (theoretische und andre) von unbekannten Personen aus allen Weltecken vom Leib hält.
Meinen besten Dank für die liebenswürdigen Zeilen von Frau Gräfin und Fränzchen1.
Die Zusendungen der „F[ran]kf[urter] Zeit[ung]“ sind mir sehr willkommen, und finde ich allerlei darin, was interessiert.
Der relative Sieg der Ultramontanen und Sozialdemokraten bei den Wahlen serves Mr. Bismarck and his middleclass tail right2. Ein andermal mehr.
Dein
K.M.
Apropos. Auf meines Freundes, des Dr. Gumperts (zu Manchester) Anweis habe ich jetzt bei erster Spur von Karbunkelkitzel Quecksilbersalbe eingerieben auf betreffender Stelle und finde, daß dieses Mittel ganz spezifisch wirkt.
Was ist denn aus Deinem Freund „Dr. Freund“, Breslau geworden, der nach Deiner Ansicht ein so vielversprechender Mann? Es scheint, après tout, que c’est fruit sec3.