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Engels an Louis Albert François Pio
in Kopenhagen

[London, Mitte März 1872]

Lieber Herr Pio,

Ich glaube, ich kann Ihnen nichts besseres als ersten Korrespondenzbeitrag liefern, als die Übersetzung zweier vortrefflicher Artikel aus dem „Pensamento Social“. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wer der Verfasser ist; aber sie zeigen eine solche Einsicht in die ökonomischen und geschichtlichen Entwicklungsbedingungen der modernen Gesellschaft, daß ich erstaunt bin, sie in einem Blatt zu finden, welches aus einem so abgelegenen Erdenwinkel kommt.

Nebenbei, der Artikel über die Organisation der landwirtschaftlichen Produktion durch Genossenschaften aus dem „Socialisten“, den ich in dem veröffentlichten Bericht der Generalratssitzung unterzubringen vermochte, ging durch die spanische, italienische und amerikanische Presse, und nun finde ich ihn auch im „Pensamento Social“ abgedruckt. Er hat große Sensation hervorgerufen und wird nicht ohne Erfolg bleiben. Im ganzen sind die Dänen, was die überaus wichtige Frage der Einbeziehung der Kleinbauern und Husmaendene1 in die proletarische Bewegung anbetrifft, dank ihrer besonderen Lokalverhältnisse und ihrer politischen Intelligenz allen anderen Nationen voran. Ich habe das auch Liebknecht und anderen gesagt, aber sie sind leider zu träge, um Dänisch zu lernen.2

Mottershead hat an den drei letzten Sitzungen des Generalrats nicht teilgenommen, wie er uns mitgeteilt hat; es ist aber seine Absicht, sein Amt als Sekretär für Dänemark niederzulegen; er sagt, er habe zuviel zu tun, so daß er seine Pflicht als Sekretär nicht erfüllen kann.

Ich bitte Sie deshalb, die Güte zu haben, einstweilen mit mir zu korrespondieren, und übernehme ich jede Verantwortlichkeit, die Ihnen daraus möglicherweise entstehen könnte, dem Generalrat gegenüber. Wir haben die Absicht, das Sekretariat für Dänemark einem Franzosen3, einem Mitglied der Pariser Kommune, zu übertragen.

Mit sozialistischem Handschlag

Ihr F. Engels

Ich habe die portugiesischen Artikel ins Französische übersetzt, weil diese Sprache eine fast wörtliche Übersetzung erlaubt, und ich habe diese so genau wie möglich gemacht, ohne Rücksicht auf Eleganz oder auch nur Korrektheit des französischen Stils.

Nach: „Die Neue Zeit“, Nr. 23,
1. Band, Stuttgart 1921.
Aus dem Englischen und Dänischen.