[London, 29. Januar 1872]
Mein lieber Terzaghi,
Ich habe Ihnen am 15. d. M. geschrieben1 und erhielt dann Ihren Brief vom 15. des gleichen Monats. Ich habe den Inhalt Ihres Schreibens dem Generalrat mitgeteilt, und mit Freude wurde dort die große Aktivität der Turiner Arbeiter zur Kenntnis genommen.
Bisher hat sich die Federazione Operaia von Turin nicht an den Generalrat gewandt. Wenn sie es täte, würde der Rat nach Anhören beider Seiten zu entscheiden haben, ob diese Föderation vorläufig aufgenommen werden kann oder nicht. Im voraus versprechen, daß sie auf keinen Fall aufgenommen wird, kann ich nicht. Erstens bin ich nicht der Rat, und außerdem ist die Stellung des Rates folgende:
Es ist richtig, daß der Baseler Kongreß dem Generalrat das Recht gab, bis zum nächsten Kongreß jede neue Sektion abzulehnen. Doch ist von diesem Recht niemals Gebrauch gemacht worden, außer im Falle wohlbegründeter Notwendigkeit und nur, nachdem die Verteidigung der betreffenden Sektion angehört wurde. Wie wäre es uns möglich, den Generalrat festzulegen, bevor die andere Seite gehört wurde? Sie können versichert sein, daß der Rat auf jeden Fall das Interesse der Internationale wahren wird.
Was Herrn Beghèlli betrifft, so können wir die von Ihnen verlangte öffentliche Erklärung nicht beschließen. B[eghèlli] gehört nicht zur Internationale und unterliegt nicht der Zuständigkeit des Rats. Auch wenn dem nicht so wäre, glaube ich, daß er nicht so bedeutend ist, um ihn in dieser Weise vor den anderen der Internationale feindlich gesinnten Journalisten auszuzeichnen.
Ich muß Ihnen jedoch sagen: wir haben derartige Forderungen von Ihrer Seite nicht erwartet. Sie haben der Einberufung eines außerordentlichen Kongresses zugestimmt, dessen einzige Aufgabe sein soll, den Generalrat des Autoritarismus anzuklagen und die Rechte aufzuheben, die dem Generalrat vom Baseler Kongreß gegeben wurden. Und kaum haben Sie diese Zustimmung gegeben, da verlangen Sie vom Generalrat Handlungen, zehnmal autoritärer als er sie jemals begangen hat. Sie verlangen, er solle von diesen selben Rechten, die Sie zuvor verurteilt haben, Gebrauch machen und eine neue Sektion ablehnen, ohne auch nur anzuhören, was sie zu ihrer Verteidigung zu sagen hat? Was würden Ihre Freunde vom Jura sagen, wenn wir uns eines solchen Autoritarismus schuldig machten? Sicher haben Sie Ihren Beschluß im Zusammenhang mit dem Jura-zirkular gefaßt und, wenn auch indirekt, dessen Lügen und Verleumdungen gebilligt, ohne die Antwort des Generalrats abzuwarten – Sie, eine ganz neue Sektion, der notwendigerweise2 die ganze Angelegenheit völlig unbekannt ist. Sie hatten das Recht dazu; denn Sie sind eine autonome Sektion, soweit diese Autonomie nicht durch die Statuten der Internationale eingeschränkt ist. Aber der Generalrat ist für seine Handlungen verantwortlich und kann sich solche Freiheiten nicht erlauben.
Vielleicht werden Sie jetzt begreifen, daß solche autoritären Rechte dem Generalrat nicht ohne Grund erteilt wurden und zu etwas gut sind; und statt Ihre Laufbahn als Mitglieder der Internationale mit der indirekten Verurteilung eines Generalrats zu beginnen, den Sie nicht kennen, sowie mit Beschlüssen, die nur darauf gerichtet sind, die Zwietracht zu schüren in einem Augenblick, da die täglichen Verfolgungen durch die Regierungen alle wahren Internationalen eng zusammenschließen müßten, hätten Sie besser daran getan, Ihren Urteilsspruch so lange aufzuschieben, bis Sie besser informiert gewesen wären.
Ich danke Ihnen für die zwanzig Franken Beitragszahlung, die ich dem Kassierer übergeben habe, und lege dafür 200 Beitragsmarken zu je 10 c. bei. Diese Marken sind auf eine Seite der „Allgemeinen Statuten“ anzuheften, die jedes Mitglied besitzen muß, sie weisen die Besitzer als Mitglieder der Internationale aus.
An die Gesellschaft Emancipazione del Proletario
Sektion der Internationale
Turin
Aus dem Italienischen.