122, Regent’s Park Road, N.W.
[London] 19.4.71
Lieber Eccarius,
Folgendes über den Strike der Barcelonesen, das ich Dir, um Mühe zu sparen, gleich englisch hersetze:1
Die Firma Gebrüder Battló, Barcelona, besitzt eine große Baumwollspinnerei und -weberei; sie beschäftigt etwa 900 Arbeiter.
Sie zahlt nicht nur weit schlechtere Löhne als andere Firmen dieser Branche, sie hat auch ständig versucht, die Löhne noch weiter dadurch zu drücken, daß sie Männer durch Frauen und Erwachsene durch Kinder ersetzt. Vor kurzem hat sie ohne Ausnahme alle Arbeiter entlassen, die verdächtig waren, der Gewerkschaft der vereinigten Wollkämmer, Spinner und Weber anzugehören. Am 26.Februar wurde von den Mitgliedern dieser Gewerkschaft ein großes Meeting durchgeführt, um die Lage der Dinge in dem Betrieb der Firma Battló zu erörtern. Eine neue Lohnliste wurde einstimmig angenommen, die, obgleich sie eine leichte Erhöhung der bisher gezahlten Löhne vorsieht, in ihren Sätzen noch sehr weit unter den von anderen gezahlten allerniedrigsten Sätzen lag. Es wurde eine Abordnung ernannt, die die Annahme dieser Liste fordern sollte; im Falle ihrer Ablehnung sollten die in der Fabrik beschäftigten Leute streiken.
Die Abordnung wurde nicht einmal vorgelassen, da die Herren B[attló] sich weigerten, eine andere Abordnung als die ihrer eigenen Arbeiter zu empfangen. Diese neue Abordnung unterbreitete die neue Lohnliste, die jedoch rundweg abgelehnt wurde. Die gesamte Arbeiterschaft begann zu streiken mit Ausnahme von etwa 25, von denen sich die meisten seitdem dem Streik angeschlossen haben. Das geschah am 27.Februar, folglich streiken die Arbeiter jetzt fast neun Wochen, und die Fonds, die der Gewerkschaft zur Verfügung stehen, beginnen zusammenzuschmelzen. Die übrigen Sektionen der Internationale in Spanien tun ihr Bestes, um für sie Geld zu sammeln, aber sie haben gerade jetzt eine ganze Reihe von Streiks zu unterstützen. Abgesehen von kleineren Sachen streiken die Böttcher von Santander und die Gerber von Valencia, weil ihre Fabrikanten darauf bestehen, daß sie ihre Gewerkschaften sowie die Internationale aufgeben. Insgesamt sind in Spanien etwa 1500 Mann draußen, die von den dortigen verschiedenen Sektionen der Internationale unterstützt werden müssen.
Barcelona und Umgebung sind das Süd-Lancashire Spaniens, dort sind große und zahlreiche Baumwollspinnereien und -webereien, und der größere Teil der Bevölkerung dieses Gebietes lebt vom Baumwollgewerbe. Sie haben in jüngster Zeit sehr durch die Konkurrenz der englischen Garne gelitten, und es würde in Spanien einen besonders guten Eindruck machen, wenn das Baumwollgewerbe Lancashires etwas zugunsten der Baumwollspinner und Maschinen-Weber von Spanien tun könnte. Die regen und engen Handelsbeziehungen zwischen den verschiedenen Ländern der Welt haben dahin geführt, daß stets jedes Ereignis in der Gesellschaft des einen Landes sich notwendigerweise auf alle anderen Länder auswirkt; und es würde keinesfalls überraschen, wenn eine allgemeine Lohnsenkung im spanischen Baumwollgewerbe (die unvermeidlich scheint, wenn dieser Streik erfolglos bleibt) am Ende dazu beitragen könnte, die Löhne auch in Süd-Lancashire niedrig zu halten.
(Die Art der Beiträge – donation oder loan2 – wäre den Leuten freizustellen. Der Council könnte die Einsendung vermitteln, oder sie können es direkt schicken, die Adresse steht zur Verfügung.)3
Besten Gruß.
Dein
F. E.
Aus dem Englischen.