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Marx an Wilhelm Liebknecht
in Leipzig

[London] 29. Juli 1870

Lieber Liebknecht,

Einliegend Ausschnitt des Manifests des General Council aus der „Pall Mall Gazette" vom 28. Juli.

Sei so gut, in Deiner Übersetzung im „Volksstaat" zu bemerken, daß Dir das Manifest englisch zugekommen ist. Unsre sonstigen Korrespondenten werden daraus sehn, daß wir keine Zeit hatten, ihnen Übersetzungen zu schicken.

Letzten Dienstag übersetzte ich ins Englische dem General Council den Reichstag-Protest von Dir und Bebel. Er wurde mit großem Beifall aufgenommen.

Noch eins. Herr Karl Blind machte einen patriotischen Speech in einer deutschen Versammlung in der Turnhalle –; dieser Komiker stellte es darin als ein sehr wichtiges, welterschütterndes Ereignis dar, daß er, der deutsche Brutus, während des Kriegs, seinen Republikanismus auf dem Altar des Vaterlands suspendiert. Dies war Akt I.

Akt II: Karl Blind beschreibt eigenhändig in der Londoner „Deutschen Post" jenes Meeting, dessen Zahlen, Wichtigkeit etc., er in gewohnter Manier übertreibt.

Akt III. Karl Blind schreibt einen anonymen Brief an die „Daily News", worin er den überwältigenden Effekt, den die von Karl Blind auf dem Meeting in der Turnhalle gehaltne große Rede in ganz Deutschland hervorgebracht hat, ergreifendst schildert. Alle deutschen Journale haben sie, sagt er, reproduziert. Eins davon, die Berliner „Volks-Zeitung" habe es sogar gewagt (!), sie ganz abzudrucken. (Der Bursche ist Korrespondent der „Volks-Zeitung".) Auch Wiener Blätter hätten das Gewaltige nicht spurlos an sich vorübergehn lassen. (Der Bursche selbst hatte darüber in die „Neue Freie Presse" korrespondiert.)

Dies ist eins aus Tausenden von Beispielen, wie dieser Ameisenlöwe den Engländern aufzubinden sucht, er sei eine Sorte von deutschem Mazzini.

Salut.

Dein K.M.