[Manchester] 13. Sept. 1870
Lieber Mohr,
Was diese Preußen für unverbesserliche Esel sind! Haben sie den ganzen unglücklichen sozialdemokratischen Ausschuß in Braunschweig und sogar den Drucker der wohlmeinenden und wahrhaftig noch zahmen Proklamation auf Befehl Vogel von Falckensteins arretiert und geschlossen nach Lötzen in Ostpreußen abgeführt. Du weißt, daß unter dem Vorwande der französischen Landung fast ganz Norddeutschland in Kriegszustand erklärt ist und daher die Militärbehörde nach Belieben arretieren kann. Zum Glück beweist die sofortige Deportation nach Ostpreußen, daß man sie bloß bis zum Frieden festhalten, nicht aber vor ein Kriegsgericht stellen will, in welchem Fall ihnen zehn Jahr Festung oder Zuchthaus von den zur Verdonnerung kommandierten Leutnants wohl sicher gewesen wären. Man sieht aber, wie die bloße Phrase der Republik diese Jammerseelen erschreckt und wie unbehaglich sich die offizielle Welt ohne Staatsgefangne fühlt.
Überhaupt nimmt der Krieg mit der Zeit eine unangenehme Gestalt an. Die Franzosen haben noch nicht Prügel genug, und die deutschen Esel haben schon viel zu viel gesiegt. Victor Hugo schreibt Blödsinn auf französisch, und der schöne Wilhelm verschimpfiert die deutsche Sprache. „Nun lebe wohl mit bewegtem Herzen am Schluß eines solchen Briefes.“ Das will ein König sein! Und noch dazu von der jebildetsten Nation der Welt! Und seine Frau läßt das drucken! Wenn das noch acht Tage so fortgeht, so wird man zum Schluß kommen, daß sie uns, beide Parteien, usw.
Nun lebe wohl mit bewegtem Herzen oder auch nicht, am Schluß eines solchen Briefes.
Dein
F. E.