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Jenny Marx an Engels
in Manchester

[London, 12. Juli 1870]
Dienstag abend

Mein lieber Herr Engels,

Eben komme ich von einer neuen Untersuchungsreise heim und eile, Ihnen gleich Bericht abzustatten. Ich habe jetzt ein Haus gefunden, das uns alle entzückt wegen seiner wunderschönen freien Lage. Jenny und Tussy waren eben mit und beide finden es besonders nett. Es ist natürlich wegen der Lage und innern Einrichtung etwas teurer als die Shrewsbery Villa, für die der Mann durchaus 55 £ haben will. Unser jetziges Haus kostet 60 £. Es ist dicht am Primrose Hill1, so daß alle front-Zimmer die herrlichste, freiste Aussicht und Luft haben. Dabei ringsherum in den Seitenstraßen shops2 aller Art, so daß Ihre Frau sich alles selbst besorgen kann. Nun die innre Einrichtung. Souterrain große, hübsche Küche mit großem Herd. Daneben ein sehr geräumiges Badezimmer mit großer Badewanne und cheminée, backkitchen3, Schränke aller Art, coalcellar4 und ein tiefer liegendes Verlies, das, obgleich es im Augenblick noch keine Brette hat, doch ein sehr guter, kühler Weinkeller werden könnte, kleiner, sehr kleiner Garten, nicht größer als zum Aufhängen von Wäsche etc. Dann rez-de-chaussée5 2 sehr nette Stuben durch Flügeltüren getrennt, die hintere hat statt der Fenster ein besonders hübsches greenhouse6 oder, wenn Sie wollen, Doppelfenster, was das Zimmer sehr hell und freundlich macht. Bel étage7 vorn heraus ein sehr schönes großes Zimmer und daneben ein kleineres, keine Flügeltüren. 2. Stock 3 Bedrooms8: 2 sehr geräumig, das dritte etwas kleiner, alles in vollem repair9. Die zwei untern Stuben werden eben tapeziert. Ich glaube, Sie können kaum ein beßres Haus finden, und ich bin überzeugt, daß es Ihrer Frau sehr gefallen wird. Es liegt gar zu heiter und amüsant. Man braucht kaum aus dem Hause zu gehn, um im Freien zu sein und Tausende von Menschen zu sehn.

Es ist natürlich von der größten Wichtigkeit, daß Sie und Ihre Frau es selbst sehn und zwar so schnell als möglich, da ein so gut gelegenes Haus sicher schnell abgeht. Sollte es Ihnen aber nicht zusagen, so habe ich noch 2 andre in der Nähe aufgefunden, die aber nicht so freundlich gelegen sind. Es wäre am besten, wenn Ihre Frau gleich mitkäme und sich selbst die Sache ansähe. Sie wissen, daß wir alle herzlich froh sind, sie bei uns zu sehn. Schreiben Sie gleich darüber, so daß wir wissen, ob wir uns noch mehr umsehn sollen oder ob Sie kommen wollen.

Ich will diese Zeilen gern noch heute abend zur Post besorgen, damit Sie gleich im Lauf des Tages sich die Sache überlegen können.
Daher ein flüchtiges Lebewohl von

Ihrer
Jenny Marx