Manchester, 13. April 70
Lieber Mohr,
Besten Dank für die Parlamentaires1. Einige kamen meinen Wünschen zuvor, andre waren mir neu und sehr gelegen. Ich schicke Dir einige „Zukünfte“, um Dir Gelegenheit zu geben, die über alle Maßen lausige Handlungsweise der Nationalliberalen bei der Debatte über politische Verbrechen (Strafkodex) bewundern zu können. Das übersteigt alles. Die feigen Hunde glauben mit der Abschaffung der Todesstrafe für gemeine Verbrechen – und noch dazu bloß auf dem Papier – eine solche Heldentat begangen zu haben, daß sie jetzt die politischen Verbrecher ruhig ins Zuchthaus sperren dürfen und wie common convicts2 behandeln. Für politische Verbrechen soll ja, vermittelst des Belagerungszustands, Pulver und Blei fortexistieren.
Inl. ein heitrer Brief von Wilhelm, den ich mir beantwortungshalber zurückerbitte. Du siehst, der Mann tut, als ob ich ihn abschriebe. Er hat sein Leipziger Blättchen noch nicht sicher etabliert und will schon in Berlin ein Tageblatt gründen. Dem Kerle hängt der Himmel immer voll Geigen, aber es sind keine Saiten drauf, und der Resonanzboden ist drausgeschlagen.
Mit dem Wakefield – 16–1700 Seiten Quart – bin ich nach verschiedenen Unterbrechungen endlich fertig.
Das Buch ist schauerlich geschrieben und noch schauerlicher gedruckt – fast alle Zahlen und Daten falsch –, aber was das Material angeht, in meiner Praxis unerreicht. So etwas Vollständiges über ein Land habe ich noch nie gesehn. Dabei hat der Kerl Augen und ist ziemlich ehrlich. Kostbar ist die Angst der Engländer 1808–12 wegen Irland. Nach Indien geschickte Depeschen wurden von den Franzosen abgefangen und veröffentlicht, worin Lord W. Bentinck Irland als für England verloren erklärt.
Es schlägt 8 Uhr, ich muß laufen, daß der Brief auf die Post kommt. Beste Grüße.
Dein F. E.