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Engels an Marx
in London

Manchester, 27. März1 70

Lieber Mohr,

Wenn Du meine paar Zeilen von vorgestern nicht verstanden, so muß die Inlage gefehlt haben. Du schreibst am 24., daß Du Schritte tun würdest, sobald Du irgendeinen ganz schlagend sichern Beweis in Händen hättest, daß unsre Briefe erbrochen würden. Das Kuvert dieses Briefes selbst war der schlagendste Beweis, das Siegellack war mit einem heißen Eisen losgearbeitet und nachher ebenso liederlich wieder über das Kuvert gestrichen worden, so daß jede Spur des Abdrucks verwischt und die Kanten des losgemachten Flügels nicht einmal wieder ordentlich bedeckt waren. Dies Kuvert schickte ich Dir also sofort ein und wollte Dich damit instand setzen, sogleich Schritte zu tun. War es nun nicht drin, so ist es herausgenommen worden. War es aber in demselben Zustand, wie Du es abgesandt hattest, dann brauchst Du freilich kein Siegellack auf die Briefe zu tun und kannst sie ebensogut ganz offen schicken. Da mich dieser Kasus interessiert, bitte ich, mir zu sagen, wie es sich damit verhält.

Glücklicherweise habe ich Geld im Hause und schicke Dir incl. £ 5, S/7, 29808, Manchester, 16. Jan. 1869, Bank-of-England-Note. Leider kann ich wegen Sonntags den Brief nicht registrieren, die Hunde, die die Briefe erbrechen, sind ebenfalls imstande, das Geld zu stehlen. Ich wollte schon gestern den Rest besorgen, aber die Bank schließt samstags so früh, daß ich nicht rechtzeitig zur Stadt gekommen wäre. Ich will es morgen besorgen.

Den „Queens Messenger“ mit Claricardes Biographie2 erinnere ich mich nicht, gesehen zu haben. Soviel ich weiß, habe ich Dir alle „Queens Messengers“ pp., soweit Du sie nicht selbst mitnahmst, in dem Paket mit den „Cloches“ und „Lanternes“, zurückgeschickt, will aber nochmals nachsehn.

Der Herr Philipp von R[oesgen] von Fl[oss] hat sich auch schon mehrere Male im „Werker“ breitgemacht; die echt holländische präzise Handschrift läßt auf einen verbummelten Notariatsschreiber schließen. Jedenfalls Vorsicht anzuraten, ehe man ihm das personel diploma3 als lid4 der I[nternationale] erteilt.5

Wenn das Dein Freund Collet wüßte, daß Du jetzt auch bona fide und offenherzig russian agent6 geworden bist. Es ist aber ganz nett von den Kerlen, die allerdings eine ganz andre Sorte Russen zu sein scheinen als alle, mit denen wir vorher zu tun hatten. Den Versuch einer Protektion über die übrigen Slawen kann man ihnen so lange lassen, bis man in Östreich und Ungarn festen Fuß gefaßt, damit hört das von selbst auf. Von der serbischen Omladina haben sie auch gute Vorstellung, es ist eine Art Studentenverbindung mit Tendenzen ungefähr so klar wie weiland die Burschenschaft.

Die Aufklärung über Bakunin sehr gut. Damit ist er aber auch unschädlich gemacht, die zahlenden Russen erlauben ihm nicht, weiter zu gehn als Herzen.

Ihr müßt dort schlimmeres Wetter haben als wir; es ist hier zwar ziemlich kalt, und der Wind wechselt zwischen Nord-West und Ost, aber es ist sonst meist schön, und ich kann jeden Tag einen gehörigen Lauf machen. Nur vor 8 Tagen, als es einmal warm wurde, bekam ich eine greuliche Grippe, die ich mit 3 Tage Leinsamentee vertrieb.

Die holländischen und russischen Briefe schicke ich Dir per zweite Post zurück, so daß Du sie morgen nachmittag erhalten wirst.

Ich habe einmal die Korrespondenz vom vorigen Jahr nachgesehn und finde, daß ungefähr von Juli–August an Deine Briefe, anfangs einzelne, dann später alle ohne Ausnahme, mehr oder weniger deutliche Spuren von Manipulation an sich tragen. Der heute morgen erhaltene war, wenn erbrochen, wenigstens anständig wieder zugemacht.

Beste Grüße.
Dein
F. E.