Manchester, 3. März 1869
Lieber Mohr,
Du siehst, wie recht ich hatte, Dir unter allen Umständen von einer Reise nach Paris abzuraten. Sich in die Hände dieser Kanailen begeben wäre reine Tollheit, namentlich da niemand einen reklamiert, und die lois de sûreté noch fortbestehn. Der Lafargue sollte sich baldigst ab nach Straßburg machen und seine Examina absolvieren; ist das abgemacht, so kann er sich schon was erlauben. Daß er von Moilin emanzipiert, ist ungeheuer viel wert; dieser Jesuit hätte ihn sicher in Ungelegenheiten geritten. Was L[afargue] über Blanqui schreibt, ist sehr nett.
Beesly hat, wie Moore mir sagt, in der neuen „Fortn[ightly]“ einen Artikel über die soziale Frage, der an Konfusion das Mögliche leisten soll.
In dem altschottischen Passus1 ist sprachlich für mich neu nur das Participium Praesentis havand, habend, – beweisend, daß diese Form Anfang 15. Jahrhundert, wo sie in England längst untergegangen, in Schottland noch existierte.
Den russischen Schnitzer2 hatte ich wirklich gemacht. Ich habe die russische Deklination ziemlich vergessen.
Die Lugauer Geschichten gehn per Book Post heute zurück. Da ich selbst nicht mehr weiß, welche Stellen ich zitiert, kann ich sie Dir auch nicht angeben, es liegt aber eine Art Index bei den Broschüren, die ich mir gemacht und woraus Du vielleicht wirst sehn können, wo sie stehn müssen.
Wie heißt das Pamphlet wegen der Life Assurance Co.? Das muß man sich doch anschaffen.
Wilhelmchen3 hat also an Euch gegen Schw[eitzer] appelliert. Das wird eine gute Geschichte werden, denn Schw[eitzer] läßt sich so leicht nicht fangen. Der Krakeel wird übrigens hübsch; bekommst Du die „Soc[ial]-Dem[okraten]“ nicht mehr? Der Eichh[off] sollte uns grade jetzt ordentlich au courant4 halten. Einige Artikel, die er (sicher niemand anders) in der „Zukunft“ geschrieben, schicke ich Dir dieser Tage.
Inzwischen ist in Essen der auch von Liebk[necht] unterstützte Sozialdemokrat Hasenclever mit 900 Stimmen Majorität über das, was der Landrat und der nationalliberale Kandidat zusammen erhielten, gewählt worden, und in Hannover (ich glaube Celle) ist auch Aussicht, einen durchzubringen.
Übrigens scheint Wilh[elm] sich jetzt mehr zu rühren und in Sachsen Erfolg zu haben. Wenn der Esel seine dummen süddeutsch-föderalistischen und welfischen Geschichten fahrenließe, könnte er bei dem Mißtrauen, das doch unter den Chefs der Lass[alleaner] gegen Schw[eitzer] herrscht, selbst bei seiner Borniertheit was ausrichten, denn das böse Gewissen des Schw[eitzer] entwaffnet auch diesen, wo es aufs Äußerste kommt. Aber mit seiner Volkspartei und seiner Restaurationswut lockt er bei den norddeutschen Arbeitern keinen Hund vom Ofen.
Komisch ist, daß er jetzt auf einmal nach Berlin kommen will, also anerkennt, daß er es ungefährdet kann!
Übrigens, wie Ihr als General Council Euch in dieser Frage kompetent erklären könnt – selbst wenn beide Beteiligte einwilligen –, sehe ich nicht ein, es sei denn, sie erklären beide, sich auch dem Schiedsspruch wegen der Organisation und Leitung der Trades Unions etc. unterwerfen zu wollen.
Dein
F. E.