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Engels an Marx
in London

Manchester, 6.Nov. 1868

Lieber Mohr,

Inl. Eichhoff und das Manuskript Dietzgen zurück. Das letztere hatte ich von wegen der ordnenden Frauenzimmer an einen sichern Ort gelegt, und da war es ganz vergessen worden.

Es ist schwer, ein ganz bestimmtes Urteil über das Ding zu fällen; der Mann ist nicht naturwüchsiger Philosoph und dabei erst halber Autodidakt. Seine Quellen (z.B. Feuerbach, Dein Buch1 und diverse populäre Schundschriften über Naturwissenschaften) sind teilweise aus seiner Terminologie sofort zu erkennen, es ist aber nicht zu sagen, was er sonst noch gelesen hat. Die Terminologie ist natürlich noch sehr konfus, daher Mangel an Schärfe und häufige Wiederholungen in neuen terms. Dialektik ist auch drin, aber mehr in Gestalt von Funken als im Zusammenhang. Die Darstellung des Dings an sich als Gedankending wäre sehr nett und sogar genial, wenn man sicher wäre, daß er’s selbst erfunden. Esprit ist viel drin und trotz der mangelhaften Grammatik ein bedeutendes Stiltalent. Im ganzen aber ein merkwürdiger Instinkt, mit so mangelhaften Vorstudien so viel Richtiges auszuspintisieren.

Die Wiederholungen sind, wie gesagt, teils Folge der mangelhaften Terminologie, teils der Ungewohntheit logischer Schule. Es wird schwerhalten, sie alle herauszubekommen. Wenn der Mann seine Sachen platterdings drucken lassen will, so weiß ich nicht, ob Beschränkung auf 2 Bogen das beste für ihn wäre, es wäre jedenfalls eine Heidenarbeit für ihn, da er sich seiner Wiederholungen nicht bewußt ist, und dann weiß ich auch nicht, ob 2 Bogen irgendwie Beachtung finden würden. 6–8 Bogen wohl eher. Und in eine Zeitschrift bringt er’s doch nicht.

Borkh[eim] schreibt, ob ich damit einverstanden sei, daß er meine Bakunin-Artikel2 aus der „N[euen] Rh[einischen] Z[eitung]“ in Liebk[nechts] Blättchen wiederabdrucke und dabei sage, daß dieser Artikel „ihm in seinen Rahmen famos passe“. Ich antworte ihm, daß wir beabsichtigten, unsre frühern Artikel etc. zusammen herauszugeben, und bereits mit einem Buchhändler in Unterhandlung ständen, ich wisse aber nicht, wie die Sache jetzt stehe, und habe deswegen an Dich geschrieben. Ich weiß übrigens nicht genau, welchen Artikel er meint, es sind mehrere, und er spricht von einem. Sonst wiederholt er seine Flausen über Bakunin, Eichhoff etc.

Eichhoffs gründliche Verteidigung hat mich lachen gemacht.

Beste Grüße.

Dein
F.E.