Manchester, 8.Okt. 1868
Lieber Mohr,
Ich bin dieser Tage scheußlich mit Commerce abgerackert worden, daher kann ich die Briefe erst heut zurückschicken.
Mit dem Schweitzer ist es eine eigne Sache. Der Kerl ist schlauer und aktiver als alle seine Gegner zusammen, obwohl er diesmal sicher zu schlau gewesen ist – nach der „Köln[ischen] Z[ei]t[un]g“ sollen die wirklichen jetzt auftretenden Arbeiterversammlungen überall ihre ihnen vom „Kongreß“ oktroyierten Präsidenten repudieren1, und diese self elected2 Kerls bis hinauf zu Schw[eitzer] werden merken, daß, so wie es wirkliches business gibt, diese Kniffe und Versuche, der wirklichen Bewegung ihre Sekte als Leitung zu oktroyieren, nicht mehr verschlagen.
Als Sekretär für Deutschland wirst Du natürlich mit den sich etwa bildenden Unions verkehren müssen, solange nicht in den einzelnen Gewerken sich Gegen-Unions bilden, wo dann zwischen den beiden zu wählen wäre – oder könnten sie sich beide anschließen? Darüber werdet Ihr englische Precedents3 haben. Von Wichtigkeit ist dabei nur, daß Schw[eitzer] und die Seinigen stets daran erinnert werden, daß sie mit dem Sekretär für Deutschland, nicht mit K[arl] M[arx] korrespondieren, und dafür wirst Du schon sorgen.
Die russische Übersetzung4 ist sehr erfreulich, sobald die Sache etwas weiter gediehen, muß man dies in die Zeitung bringen.
Das Manuskript von Dietzgen habe ich noch nicht ansehn können.
Gaudissart5 wird immer amüsanter. Die 30 Bogen sind vorderhand nicht gefährlich; da sie in 4 Sprachen zugleich erscheinen sollen, wird’s wohl noch ein Säkulum dauern. Als Jud’ kann er indes das Mogeln nicht lassen, und es geschieht ihm recht, daß er sich an Biscamp die Finger verbrennt.
Wilhelmchen6 ist auch nicht übel. Was die Schwaben angeht, so scheinen es also Geldverhältnisse zu sein, die ihn und die Seinigen an die Föderalisten fesseln. Dem wäre näher nachzuforschen, nachher fällt das alles uns auf die Kappe. Ich hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, daß es im Moment, wo die revolutionäre Aktion nähertritt, es durchaus gegen das Interesse unsrer Partei ist, wenn unsre Leute sich in den an sich faulen Gegensatz von Großpreußen und östreichisch-föderalistischem Großdeutschland zugunsten der einen Partei zu fest verbissen haben. Das unglückliche Vieh kann noch immer nicht einsehn, daß der ganze Gegensatz mit seinen beiden Seiten eine reine Borniertheit ist; ich dachte, die spanische Revolution würde ihn etwas aufgeklärt haben, aber no go7.
Näheres über den Verlauf des Schw[eitzer]-Kongresses und dessen Nachwirkung noch nicht gesehn, da ich die „Zukunft“ erst spät erhalte.
Beste Grüße.
Dein
F.E.