London, 26.Aug. 1868
Dear Fred,
Noch immer keine „supplies“1 von Deutschland. Es ist natürlich Narrheit, auf halb zugesagte Sachen ganz zu rechnen. Wenn man aber am Er säufen ist, glaubt man an jeden Strick. Freitag ist der Wechsel von £ 12 fällig, von dem ich Dir schrieb. Da bis heut nichts eingetroffen, war ich, um keinen Protest im Haus zu haben, eben bei meinem Bäcker, der mir sagte, er könne „vielleicht“, aber nur für einige Tage, das Geld bis morgen abend schaffen. Gleichzeitig erhalte ich einliegenden Wisch von meinem Landlord2. Grade um diese Zeit stürzt alles auf einen los. Es ist, um toll zu werden.
Bring oder schick mir den Wisch von Becker zurück. Seine theoretisch-politisch-ökonomischen Einwürfe gegen L[assalle] sind aus Deinem Pamphlet über die Militärfrage3 abgeschrieben.
Dieser B[ecker] hat uns großen Dienst durch seine Seileriana4 geleistet. Er verdient, L[assalle]s „testamentarischer Nachfolger“ zu sein.
Die Einladung, die ich auf den Kongreß des A[llgemeinen] D[eutschen] A[rbeiter]-V[ereins] (für 22.–25.August, Hamburg) erhielt, ist von Schweitzer als Präsident und von über 20 Arbeitern aus Deutschlands diversen Gauen (Vorstandsmitgliedern) unterschrieben. Ich mußte in meiner Antwort5 auf letztere Rücksicht nehmen. Ich erkläre mein Nichtkommen durch die Arbeiten des Zentralrats der Internationalen Arbeiterassoziation und freue mich, in ihrem Programm für den Kongreß die Ausgangspunkte jeder „ernsthaften“ Arbeiterbewegung – Agitation für volle politische Freiheit, Reglung des Arbeitstags und internationale Kooperation der Arbeiterklasse – pointiert zu sehn. D.h. in andern Worten, ich gratuliere ihnen dazu, das Programm Lassalles aufgegeben zu haben. Ob sie den Witz merken, steht zu erwarten. Schweitzer, der einzige Kopf in der ganzen Lass[alle]-Bande, fühlt’s sicher heraus. Ob er es aber geraten hält, das zu zeigen oder sich dumm zu stellen, nous verrons6.
Dein
K.M.