Carlton Buildings, Cooper Street, 19. März 1866
Die „Schiller-Anstalt“, deren nunmehr sechsjähriges Bestehen den vollen Beweis liefert, daß sie ein Institut ist, welches reellen Bedürfnissen entspricht, muß ihre jetzigen Räumlichkeiten mit Juni nächsten Jahres verlassen, da um jene Zeit der mit dem Hausbesitzer bestehende Mietvertrag verfällt und eine Verlängerung desselben mit Bestimmtheit verweigert worden.
Das Direktorium hat folglich die Aufgabe zu lösen, der Anstalt die Räume zu sichern, die ihren Zwecken entsprechen.
Nachdem alle Schritte zur Auffindung eines passenden Gebäudes gescheitert waren und auch kein Unternehmer sich finden ließ, der ein solches herstellen wollte, um es der Anstalt in Miete zu überlassen, blieb uns kein andrer Weg offen als der – zu versuchen, ob die notwendigen Mittel sich aufbringen ließen, um den Bau für eigene Rechnung zu unternehmen.
Die wesentlichen Punkte, die wir hierbei im Auge behalten mußten, sind folgende:
Die Anstalt muß in einem zentralen Teile der Stadt gelegen sein.
Sie muß den Besuchern schon im Erdgeschosse zugänglich sein.
Die einzelnen Räume müssen wenigstens den jetzigen an Größe gleichkommen.
Die Erfüllung dieser Bedingungen erschien uns unumgänglich, wenn die Anstalt gedeihlich fortbestehen soll. Außerdem aber erschien es wünschenswert, den verschiedenen in Manchester bestehenden Vereinen Gelegenheit zu bieten, in dem beabsichtigten Neubau ein gemeinsames Unterkommen zu finden. Dieser Zweck würde erreicht werden, wenn der oberste Stock zu einem Saal für 250 bis 300 Personen verwandt würde. Ein solcher Saal würde die Kosten des Baues nur unbedeutend erhöhen, während er durch Vermietung die Einnahmen der Anstalt vermehren dürfte.
Wir haben demgemäß unsere Bemühungen dahin gerichtet, ein passendes Grundstück zu finden und die Kosten des ganzen Unternehmens zu ermitteln.
Folgendes ist das Resultat, zu welchem wir gelangten:
| Kosten eines Grundstückes von etwa 350 a 400 □ yards Baufläche | £ 6 000 à £ 7 000 |
| Kosten des Baues | 3 500 à 4 000 |
| Ergänzung des Mobiliars | 500 à 500 |
| Zusammen | £ 10 000 à £ 11 500 |
Wir glauben mit Zuversicht annehmen zu dürfen, daß sich auf solchen Grund- und Hausbesitz eine hypothekarische Anleihe von £ 5000 à £ 6000 wird erlangen lassen, und schöpfen aus dem vergangenen finanziellen Gebaren der Anstalt, mit Berücksichtigung der voraussichtlichen Mehreinnahmen und -ausgaben, die volle Überzeugung, daß die Zinsen auf eine solche Anleihe bestimmt aufgebracht würden.
Es ergibt sich demnach, daß wir zur Verwirklichung unseres Planes eines eigenen Kapitals bedürfen würden von £ 5000 à £ 5500.
Obgleich die Schiller-Anstalt Mitgliedern aller Nationen offensteht und Nichtdeutsche mehrfach an ihr teilnehmen, ist sie doch ein wesentlich deutsches Institut.
Nach ihrem jetzigen Bestande zählt sie über 300 Mitglieder und bietet denselben
eine Bibliothek, jetzt aus mehr als 4000 Bänden bestehend,
ein Lesezimmer, in welchem 55 meist deutsche Zeitschriften aufliegen,
Vorträge wissenschaftlicher und literarischer Art, namentlich in den Spezialvereinen, die sich zu diesem Behufe innerhalb der Anstalt gebildet haben.
Sie trägt also nach Vermögen das ihrige bei, um deutsche Geisteskultur zu fördern, und bietet ferner in ihren Räumen Gelegenheit zu geselligem Verkehr, der namentlich jenen jüngeren Ankömmlingen aus dem Vaterlande zugute kommt, die sonstiger Anhaltspunkte hierorts entbehren.
Wir sind der festen Überzeugung, daß die Anstalt diesen ihren Zwecken in der Zukunft noch in erhöhterem Maße wird entsprechen können, wenn die Durchführung unseres Planes eine Verbesserung in räumlicher Beziehung gestattet, da letztere eine solche in finanzieller Hinsicht mit herbeiführen muß.
Aus dem Gesagten geht hervor, daß wir hauptsächlich an die in Manchester wohnenden Deutschen zu appellieren haben; wir fragen sie, ob sie zur Erreichung der angedeuteten Zwecke die nötigen Mittel beischaffen wollen.
Um die Anstalt nicht von vornherein mit unerschwinglichen Zinsen zu belasten, beschloß das Direktorium, den Versuch zu machen, die erwähnte Summe auf dem Wege der Schenkung zusammenzubringen; um jedoch dafür zu sorgen, daß das zu errichtende Gebäude nur für die Zwecke der Anstalt verwandt werden könne, wurde gleichzeitig beschlossen, daß im Falle eines Aufhörens der Schiller-Anstalt die Schenker für den Betrag ihrer Schenkungen als Gläubiger der Anstalt eintreten und wird dies in den Empfangsbescheinigungen ausdrücklich anerkannt werden.
Sobald die Absicht kundgeworden, für die Anstalt ein eigenes Gebäude herzustellen und somit ihr Bestehen zu sichern, wurde unter den Mitgliedern solch rege Teilnahme dafür wach, daß in wenigen Tagen eine Summe von nahe an £ 1200 in Beträgen von £ 25 und darunter dem Direktorium zur Verfügung gestellt wurde.
Diese gewiß bedeutende Summe ist wesentlich das Ergebnis opferfreudiger Anstrengungen seitens der jüngern hier weilenden Deutschen, die zugleich auch diejenigen repräsentieren, welche direkten Nutzen aus der Anstalt ziehen.
Gestützt auf dieses Resultat, welches den Beweis liefert, daß die Anstalt bereits jetzt ein Bedürfnis für eine bedeutende Zahl von hiesigen Deutschen geworden ist, wenden wir uns nun an diejenigen, welche ein, wenn auch entfernteres Interesse an einem Institute nehmen, das solche Ziele erstrebt, und das, wenn es erst einmal fest begründet dasteht, ein Zentralpunkt aller deutschen Bestrebungen in Manchester zu werden bestimmt scheint.
Wir wenden uns an Sie mit der Bitte, durch Beibringung der Mittel die Ausführung unserer Absichten zu ermöglichen.
Das Direktorium vertraut, daß zu diesem gemeinnützigen Ziele alle deutschen Kräfte Manchesters mitwirken werden. Bloß dadurch kann es hoffen, das Werk ins Leben treten zu sehen, und darum glaubt es sich berechtigt, dasselbe mit aller Wärme zu empfehlen.
Im Auftrage des Direktoriums:
F. Engels, Vorsitzender
J.G.Wehner, Schatzmeister
A.Burkhard, Schriftführer
Nach: Gedrucktes Zirkular der Manchester Schiller-Anstalt.