[London] 20. September 1865
Lieber Miller1,
Ich erhielt Deinen Brief gestern nachmittag, zu spät, um meinerseits einen Brief abzuschicken. Krankheit trug viel zu meinem langen Schweigen bei. Es gab andere Gründe, auf die es meiner Ansicht nach nicht lohnt, jetzt einzugehen. Zur Zeit lastet viel dringende Arbeit auf mir, und ich kann nur mit diesen wenigen Zeilen antworten.
Ein Bericht (englisch natürlich) Eurerseits ist sehr wichtig. Er müßte nächsten Montag (25.Sept.) hier sein. Damit er rechtzeitig eintrifft, mußt Du den Brief direkt mit der Leipziger Post an mich schicken.
Die Schweizer haben zwei Delegierte gewählt, Herrn Dupleix, einen Franzosen, und Herrn Philipp Becker, einen Deutschen.
Old Hatzfeldt hält sich in Paris auf, wo die alte Hexe mit dem „Hörner tragenden“ Vater des „Sozialismus“, Moses2, ihrem untertänigsten Sklaven, intrigiert. Auf ihr Betreiben veröffentlichte er seine „Warnung“ im „Nordstern“ und gelangte seine Verleumdung in den „Soc[ial]-Demok[rat]“. Sie braut nun mit ihm die „Apotheose“ auf ihren verspäteten „Ödipus“3 zusammen. Der Londoner Korrespondent des „Soc.-Dem.“ scheint der verrückte Weber4 zu sein. All das ist mir aus Paris berichtet worden. Was mich betrifft, so bin ich sorgsam darauf bedacht, von allem, was in den Berliner und Hamburger „Organen“5 der Bewegung geschieht, nicht die geringste Notiz zu nehmen. Diese sogenannte Bewegung ist so widerlich, daß es um so besser ist, je weniger man von ihr hört.
Wir haben hier ein eigenes Wochenblatt, „The Workman's Advocate“, gegründet. Ich wäre Dir verbunden, wenn Du mir dafür Korrespondenzen (in Englisch) schicken würdest.
Aufrichtig Dein
A. Williams6
Aus dem Englischen.