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Engels an Marx
in London

Manchester, 23. Aug. 1867

Lieber Mohr,

Ich habe jetzt bis ca. Bogen 361 durchgearbeitet und gratuliere zu der kompletten Weise, in der die verwickeltsten ökonomischen Probleme durch bloßes Zurechtrücken und Einstellen in den richtigen Zusammenhang einfach und fast sinnlich klargemacht werden. Desgleichen zu der, der Sache nach, höchst famosen Darstellung des Verhältnisses von Arbeit und Kapital – im vollen Zusammenhange und komplett hier zum erstenmal. Auch hat mir sehr viel Spaß gemacht zu sehn, wie Du Dich in die technologische Sprache hereingearbeitet hast, was Dir sicher viel Schwierigkeiten machen mußte und weshalb ich diverse misgivings2 hatte. Einige slips of the pen3 habe ich mit Bleistift am Rand korrigiert, auch einige Konjekturen riskiert. Aber wie hast Du die äußere Einteilung des Buchs so lassen können, wie sie ist! Das 4. Kapitel ist fast 200 Seiten lang und hat nur 4 durch dünn gedruckte, kaum wiederzufindende Überschriften bezeichnete Abschnitte. Dabei der Gedankengang fortwährend durch Illustration unterbrochen und der zu illustrierende Punkt nie am Schluß der Illustration resumiert, so daß man stets von der Illustration eines Punkts direkt in die Aufstellung eines andren Punkts hineinplumpst. Das ist scheußlich ermüdend und bei nicht ganz scharfer Aufmerksamkeit auch verwirrend. Hier wären häufigere Unterabteilung und stärkere Hervorhebung der Hauptabschnitte entschieden am Platz gewesen und müssen für die englische Bearbeitung entschieden gemacht werden. Überhaupt sind in dieser Darstellung (namentlich Kooperation und Manufaktur) einige Punkte mir noch nicht ganz klar, bei denen ich nicht herausfinden kann, auf welche Tatsachen sich die nur allgemein gegebne Entwicklung bezieht. Der äußeren Form der Darstellung nach scheint dies 4. Kapitel auch am raschesten geschrieben und am wenigsten wieder durchgearbeitet zu sein. Alles das hat aber nichts zu sagen, die Hauptsache ist, daß den Herren Ökonomen nirgendwo eine schwache Stelle gegeben ist, wo sie Bresche schießen können; ich bin in der Tat neugierig zu hören, was die Herren sagen werden, es ist ihnen auch nicht die geringste Handhabe gelassen. Leute à la Roscher werden sich dafür schon zu trösten wissen, aber für die Leute hier in England, die nicht für Kinder von 3 Jahren schreiben, ist das doch etwas andres.

Sobald Du mir wieder einige Bogen schicken kannst, wirst Du mir eine große Freude machen, ich möchte die Akkumulation gern im Zusammenhang lesen.

Grüße Deine Frau bestens. Wann kommen die Mädchen zurück?

Dein
F. E.