[London] 2. April1 1867
Lieber Engels,
Ich hatte mir vorgenommen, Dir nicht zu schreiben, bis ich Dir das Fertigsein des Buches2 anzeigen könnte, was jetzt der Fall ist. Ich wollte Dich auch nicht ennuyieren3 mit den Ursachen des abermaligen Aufschubs, nämlich Karbunkeln am Hintern und in der Nähe des penis, deren letzte Reste jetzt verblühn und die mir nur unter großen Schmerzen sitzende Position (also schreibende) erlaubten. Arsenik nehm ich nicht, weil es mich zu dumm macht und ich wenigstens für die Zeit, wo das Schreiben möglich war, den Kopf beisammen haben mußte.
Ich muß nächste Woche selbst mit dem Manuskript nach Hamburg. Der Ton des letzten Briefs des Herrn Meißner gefiel mir nicht. Dazu erhielt ich gestern einliegenden Wisch von Borkheim. Ich habe alle Ursache zu glauben, daß der „kontinentale Freund“ Herr Geheimrat Bucher ist. Borkheim hatte ihm nämlich einen Brief, den er mir vorlas, geschrieben, von wegen seiner Reiseverhältnisse nach Schlesien, wo er in Familienangelegenheiten hin will. Bucher hat ihm unmittelbar geantwortet. Ich wittere also hinter diesen canards4 eine Intrige und muß dem Meißner das Messer persönlich auf die Brust setzen. Sonst wäre der Kerl imstand, mein Manuskript (ungefähr 25 starke Druckbogen, wie ich rechne) zurückzuhalten und zugleich nicht drucken zu lassen unter dem Vorwand, den zweiten Band „abwarten“ zu wollen.
Ich muß nun d’abord5 meine Kleidungsstücke und Uhr, die im Pfandhaus wohnen, herausnehmen. Ich kann auch kaum meine Familie im jetzigen Zustand verlassen, wo sie sans sou und die Gläubiger täglich unverschämter werden. Endlich, damit ich das nicht vergesse, alles Geld, was ich für Lauras Champagnerkur ausgeben konnte, habe ich den Weg alles Fleisches gesandt. Sie muß jetzt Rotwein haben, und besseren als ich kommandieren kann. Voilà la situation.6
Unsere „International“ hat einen großen Sieg gefeiert. Wir verschafften den auf Strike befindlichen Pariser Bronzeworkern Geldunterstützung von den London Trade-Unions. Sobald die Meister das sahen, gaben sie nach. Die Sache hat viel Lärm in den französischen Blättern gemacht, und wir sind jetzt in Frankreich eine etablierte Macht.
Die Luxemburger Affäre7 scheint mir zwischen Bismarck und Bonaparte abgekartet. Möglich, aber nicht wahrscheinlich, daß der erstre sein Wort nicht halten kann oder will. Die russische Einmischung in die deutschen Verhältnisse ist sonnenklar:
1. daraus, daß der Württembergische Vertrag mit Preußen schon am 13. August vor allen andern geschlossen war;
2. aus Bismarcks Auftreten mit Bezug auf die Polen.
Die Russen sind tätiger als je. Zwischen Frankreich und Deutschland brocken sie die Suppe ein. Östreich ist an sich hinreichend gelähmt. Den Herrn Engländern wird in den United States aufgespielt werden.
Salut.
Dein
K.M.