Manchester, 22. Febr. 66
Lieber Mohr,
Dank für „Klein Zaches“ etc., welche ich als Beweis ansehe, daß Du die £ 10 erhalten hast.
Ich komme eben von Gumpert, den ich wegen meiner Grippe und mehrmaligen Verfehlens erst heute abend traf. Er hält dafür, daß Du gleich mit dem Arsenik anfangen sollst. Schaden könne es Dir unter keinen Umständen, nur nützen. Was Allen sage, es passe für Dich nicht, sei Blödsinn. Dann hält er die Behandlungsweise mit Umschlägen auch für Unsinn; sie befördre nur die Hautentzündung, die grade zu unterdrücken sei, während sie die Eiterung nicht befördere. Eisumschläge seien viel besser, aber solange Du in Allens Händen, könnten diese natürlich nur angewandt werden, wenn er sie verschriebe. Aber vor allem Seeluft, damit Du wieder zu Kräften kommst. Ein Ort an der Südküste sei zwar vorzuziehn, da bei dieser Jahreszeit dort mehr schönes Wetter als hier oben, wenn Du aber lieber in G[umpert]s Nähe sein willst, so seien ja Orte genug hier an der Küste within an hour’s ride from Manchester1.
Du siehst, es ist mir gelungen, G[umpert] so herumzustimmen, daß er jetzt darauf dringt, Du sollst den Arsenik gleich nehmen, selbst während Allen Dich noch äußerlich behandelt, während er früher davon nichts wissen wollte, aus Etiketterücksichten. Aber nun tu mir den Gefallen und iß den Arsenik, und komm her, sobald Dein Zustand es irgend erlaubt, damit Du doch endlich einmal besser wirst. Mit diesem ewigen Zaudern und Zögern ruinierst Du Dich nur selbst, kein Mensch kann diese chronische Karbunkelgeschichte auf die Dauer aushalten, abgesehen davon, daß endlich einmal einer auftreten kann, der eine solche Gestalt annimmt, daß Du daran zum Teufel gehst. Und wo ist dann Dein Buch2 und Deine Familie?
Du weißt, daß ich bereit bin, das Mögliche zu tun, und in diesem extremen Fall selbst mehr, als ich unter andern Umständen riskieren dürfte. Aber sei doch auch vernünftig und tu mir und Deiner Familie den einzigen Gefallen, Dich kurieren zu lassen. Was soll aus der ganzen Bewegung werden, wenn Dir etwas passierte, und so wie Du operierst, muß es dazu kommen. Wahrhaftig, ich hab’ Tag und Nacht keine Ruhe, bis ich Dich über diese Geschichte hinaus habe, und jeden Tag, wo ich nichts von Dir höre, bin ich unruhig und denke, Du bist wieder schlimmer.
Notabene. Du sollst es ja nicht wieder dahin kommen lassen, daß ein Karbunkel nicht geschnitten wird, der eigentlich hätte geschnitten werden sollen. Das sei höchst gefährlich.
Viele Grüße an die ladies.
Dein
F. E.