[London] 13. Febr. 1866
Dear Fred,
Sage oder schreibe dem Gumpert, er solle mir das Rezept mit Gebrauchsanweisung schicken. Da ich das Vertrauen in ihn habe, schuldet er schon dem Besten der „Politischen Ökonomie“, professionelle Etikette zu übersehn und mich von Manchester aus zu behandeln.
Gestern lag ich wieder brach, da ein bösartiger Hund von Karbunkel an linker Lende ausgebrochen. Hätte ich Geld genug, das heißt mehr > – 0, für meine Familie, und wäre mein Buch1 fertig, so wäre es mir völlig gleichgültig, ob ich heute oder morgen auf den Schindanger geworfen würde, alias verreckte. Unter besagten Umständen geht es aber noch nicht.
Was dies „verdammte“ Buch betrifft, so steht es so: Es wurde fertig Ende Dezember. Die Abhandlung über die Grundrente allein, das vorletzte Kapitel, bildet beinahe, in der jetzigen Fassung, ein Buch. Ich ging bei Tag aufs Museum2 und schrieb nachts. Die neue Agrikulturchemie in Deutschland, speziell Liebig und Schönbein, die wichtiger für diese Sache als alle Ökonomen zusammengenommen, andrerseits das enorme Material, das die Franzosen seit meiner letzten Beschäftigung mit diesem Punkt darüber geliefert hatten, mußte durchgeochst werden. Ich schloß meine theoretischen Untersuchungen über die Grundrente vor 2 Jahren. Und grade in der Zwischenzeit war vieles, übrigens ganz meine Theorie bestätigend, geleistet worden. Auch der Aufschluß von Japan (ich lese sonst im Durchschnitt, wenn nicht professionell genötigt, niemals Reisebeschreibungen) war hier wichtig. Daher das „shifting system“3, wie es die englischen Fabrikhunde von 1848–50 an denselben Personen anwandten, auf mich von mir selbst angewandt.
Obgleich fertig, ist das Manuskript, riesig in seiner jetzigen Form, nicht herausgebbar für irgend jemand außer mir, selbst nicht für Dich.
Ich begann die Abschreiberei und Stilisierung Punkt ersten Januar, und die Sache ging sehr flott voran, da es mir natürlich Spaß macht, das Kind glattzulecken nach so vielen Geburtswehn. Aber dann kam wieder der Karbunkel dazwischen, so daß ich bis jetzt nicht weitergehn, sondern nur tatsächlich ausfüllen konnte, was nach dem Plan schon fertig war.
Im übrigen stimme ich mit Deiner Ansicht überein und bringe den ersten Band, sobald er fertig, zu Meißner.4 Doch muß ich zum Fertigmachen wenigstens sitzen können.
Vergiß nicht, an den Watts5 zu schreiben, da ich jetzt bei meinem Kapitel über Maschinerie6 angelangt bin.
Kannst Du nicht, unter der Rubrik Berlin, über Preußen rasch hingeworfnen Artikel schicken für „Commonwealth“? Bedenke, wie wichtig für uns, in London festen Fuß zu haben. Die Polenartikel7 haben Zeit. Aber mit den deutschen Blättern, die Dir zu Gebote stehn, kann Dir dies Schreiben über Preußen nur Spaß machen. Mein Einfluß hier hängt zum Teil davon ab, daß die Leute endlich sehn, daß ich nicht ganz allein stehe.
Die politischen Sachen beunruhigen mich (nicht qua8 Individuum, sondern von wegen des Buchs) nicht so sehr als der ökonomische Status, der auf Krise drohend und drohender hinweist.
Salut.
Dein
K.M.
Gruß an die „irische“ Freundin9. Die Irländrinnen, notabene Roses O’Donovan etc., haben gedankt für den Aufruf unsrer Zeitung und Fox’ Artikel.